Wie Jugendliche ihre Adoption erleben (V)

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Nach dem Buch „Being Adopted. The Lifelong Search for Self“ (Adoptiert sein – die lebenslange Suche nach dem Ich) von David M. Brodzinsky, Marshall D. Schechter und Robin Marantz.
Teil 5 von Jutta Eigner

 

 

Im fünften und letzten Teil der Zusammenfassung nach dem Buch „Being Adopted. The Lifelong Search for Self“ geht es um das „Jugendalter“. Es handelt sich um jene Zeit zwischen 13 und 19 Jahren, die das stärkste Körperwachstum seit der Phase vor der Geburt mit sich bringt. Sie ist durch einen Hormonanstieg geprägt, der nicht nur Gewebe und Körperkonturen verändert, sondern sich auch die Fantasiewelt der Jugendlichen. In dieser Zeit – so die Autoren Brodzinsky, Schechter und Marantz Henig – entwickelt der/die Jugendliche u. a. die Fähigkeit, abstrakte Ideen zu verstehen. Das führt zu einer starken Beschäftigung mit Werten, Moral und dem eigenen Ich. Die gestiegene Bedeutung von Gleichaltrigengruppen macht Teenager gleichzeitig zu besonders sozialen Wesen.


Aufgrund all dieser Veränderungen sei das am meisten verbreitete Bild der Jugendjahre – so die Autoren von „Being Adopted“ – eines von persönlichem und familiärem Chaos. Teenager fühlten sich aufgrund der großen Veränderungen außer Kontrolle und ließen ihre Qual und Verwirrung an jenen Personen aus, die sie am besten kennen: an ihren Eltern.

Unter Psychologen gibt es allerdings einige Kontroversen, wie unvermeidbar und verbreitet ein derartiger Aufruhr unter Jugendlichen tatsächlich ist. Auch die Autoren von „Being Adopted“ haben in ihrer eigenen Praxis die Erfahrung gemacht, dass emotionale Turbulenzen zwar für einige Jugendliche eine unbestreitbare Realität sind, aber deswegen noch lange nicht als allgemein angenommen werden müssen. Die Art, wie junge Menschen auf die physischen, psychologischen und sozialen Veränderungen ihres Alters reagieren, ist sehr individuell und Studien belegen, dass die Mehrheit der Jugendlichen sich mit wenigen Ausbrüchen und Rebellionen durch die Themen arbeitet, die für sie von Bedeutung sind.

Allgemeine Veränderungen im Jugendalter (S. 94 – 96)


Was die körperlichen Veränderungen betrifft, so sind diese für alle Jugendlichen einschneidend. Teenager wachsen in einem Ausmaß, das mit den ersten sechs Lebensmonaten vergleichbar ist. Für Mädchen beginnt dieser Wachstumsschub zwischen neun und elf Jahren, erreicht seinen Höhepunkt im Durchschnitt mit zwölfeinhalb und ist in der Regel zwischen fünfzehn und achtzehn Jahren abgeschlossen. Burschen beginnen zwischen elf und vierzehn Jahren zu „schießen“, erreichen einen Höhepunkt mit ungefähr fünfzehn Jahren und haben das Wachstum in der Regel mit zwanzig bis einundzwanzig Jahren abgeschlossen.

Gleichzeitig mit dem Wachstum verändern sich die Körperformen und die Proportionen. Mädchen „runden“ sich und Burschen werden muskulöser; die sekundären Geschlechtsmerkmale entwickeln sich. Der Hormonanstieg hat oft auch Folgen für das Verhalten: das Interesse einen Sexualpartner zu finden steigt ebenso wie sexuelle Fantasien und Experimente. Die Zunahme der eigenen Muskelmasse kann auch Ängste in den Kindern hervorrufen, wenn sie sich mit ihren Eltern messen. Erstmals hat sich ihre körperliche Kraft im Verhältnis zu den einstmals allmächtigen Eltern zu ihren Gunsten verschoben.

Zusätzlich setzt im Alter von elf bis zwölf Jahren eine neue Phase kognitiver Entwicklung ein, die nach Jean Piaget „Formaloperationales Stadium“ genannt wird. Anders als bisher sind die „formalen Operationen“ nun abstrakt, sodass Jugendliche ihr Augenmerk auch auf moralische, philosophische und esoterische Fragen z.B. den Sinn des Lebens richten können. Nun werden auch abstraktere moralische Urteile möglich. Für jüngere Kinder bezeichnet „richtig“ und „falsch“ ein Verhalten, das oder das nicht bestraft wird. Im frühen Jugendalter ist „richtig“ das Verhalten, das Zustimmung findet oder den sozialen Regeln entspricht. Im späteren Jugendalter beginnen Teenager „richtig“ und „falsch“ unabhängig von Gruppen und sozialen Werten zu definieren. Die große Bedeutung ethischer Werte in den Jugendjahren erklärt zumindest zum Teil, warum Friedens- und Demokratiebewegungen traditionell von Studenten angeführt werden. In keinem anderen Lebensalter sind Menschen so gewillt, sich selbst für höhere Ideale zu opfern. Der Psychiater Eugene Pumpian-Mindlin bezeichnet das Jugendalter – so Brodzinsly et al. – außerdem als eine Zeit der „Omnipotenz“, in der alles möglich, erreichbar und lösbar zu sein scheint.

Identitätsfragen stellen sich. Dazu gehört nicht nur „Wer bin ich?“, sondern auch „“Wer bin ich im Verhältnis zu anderen Menschen?“ In diesen Bereich fällt die Erforschung der eigenen ethnischen Identität, d.h. die Frage, was es bedeutet schwarz, jüdisch, hispanisch oder irisch zu sein und wie diese Identität im täglichen Leben Bedeutung erlangen kann. Dies zu erforschen kann recht kompliziert für adoptierte Teenager werden, vor allem wenn sie in einer gemischt ethnischen Familie aufwachsen.

Die meisten Teenager streben außerdem nach Autonomie und Unabhängigkeit und entziehen sich der Kontrolle von Autoritäten, besonders der ihrer Eltern. Auch diese Entwicklungsaufgabe ist schwierig für Adoptierte, da viele der ausschlaggebenden Entscheidungen in ihrem Leben – dass sie adoptiert werden konnten, welche Familie sie adoptiert hat und ob sie Zugang zu Informationen über ihre leiblichen Eltern haben – von anderen Menschen getroffen worden sind.

Beziehungen zu Gleichaltrigen werden im Jugendalter besonders wichtig. Teenager beginnen, ihren Freunden zu vertrauen und nicht mehr bloß mit ihnen zu spielen. Eins-zu-eins-Beziehungen werden intimer, während gleichzeitig Cliquen eine neue Bedeutung erhalten. Es bedeutet viel, sich mit den anderen in Einklang zu befinden und keine Merkmale aufzuweisen, die einen von den anderen unterscheiden. Der wichtige Wunsch nach Übereinstimmung kann ebenfalls zu einem Problem für adoptierte Teenager werden, die sich anders fühlen, weil sie wenig über ihre Vergangenheit wissen. Wenn sich in ihrem Umkreis nur wenige andere Adoptierte befinden, kann Adoptiert Sein ein weiterer Anlass sein, sich seltsam zu fühlen.

Das bedeute jedoch nicht, so Brodzinsky et al., dass die Jugendjahre bloß eine Zeit grenzenlosen Kampfes sind. Während manche Erwachsene diese Jahre als schlimmste Zeit ihres Lebens erinnern, empfinden andere sie als die beste: eine Zeit grenzenloser Möglichkeiten, endloser Innenschau und intensiver Freundschaften.

Wie sehe ich aus? (S. 97 – 101)


Die Teenagerjahre sind jene Zeit, in der Jugendliche Stunden vor dem Spiegel verbringen können, um einen Haarwirbel oder einen Pickel zu betrachten. Gleichzeitig meinen sie, dass jede ihrer Gesten Beachtung findet. Das Egozentrische dieses Alters ist erstaunlich. Wenn Teenager unendlich viel Zeit aufwenden um sich zu stylen, denken sie, ihr physisches Erscheinungsbild wäre ein Schlüssel zu ihrer Identität. In dieser Zeit können die raschen körperlichen Veränderungen sehr desorientierend wirken. Adoptierte Kinder kann etwa der Umstand beunruhigen, dass sie niemandem in der Familie ähnlich sehen.

Brodzinsky et al. bringen das Beispiel von Elliott (S. 97). Er wurde immer wieder darauf hingewiesen, wie sehr er seinem (Adoptiv-)Vater ähnelt. In dem Bewusstsein, dass das reiner Zufall ist, fühlte er sich jedoch noch mehr „anders“ als der Rest der Familie. Wenn er ein echtes Mitglied seiner Familie gewesen wäre, warum fühlten sich so viele Menschen verpflichtet, ihn auf diese Ähnlichkeit hinzuweisen? Hinzu kam, dass Elliott immer größer wurde, während seine Adoptivfamilie eher klein gebaut war. Je mehr er in der Pubertät wuchs, umso deplazierter fühlte er sich in seiner Familie.

Russ hingegen empfand es immer als angenehm, in Haarfarbe, Körpergröße und Aussehen auch ein leiblicher Sohn seiner Adoptivfamilie sein zu können. Mit siebzehn machte er jedoch einen Kommentar, der nahe legt, dass er sich dennoch als Außenseiter fühlt: „Es ist wichtig, dass du aussiehst wie deine Eltern“ sagt Russ. „Die meisten Menschen nehmen das als gegeben und denken nicht darüber nach. Aber ich musste darüber nachdenken.“ (S.98)


Elana sah wiederum ganz anders als ihre Adoptivfamilie aus. Als die Autoren von „Being Adopted“ sie im Alter von fünfzehn Jahren trafen, waren sie beeindruckt von ihrer sphärischen Schönheit. Sie hatte rotes dichtes Haar, einen hellen Teint mit Sommersprossen und saphirblaue Augen. Elana unterschied sich stark von ihren dunkelhaarigen Eltern mit dunklem Teint. Von klein auf wurde sie gefragt, wie das ihre Eltern sein könnten, wo sie doch ganz anders aussieht. Der große Unterschied im Äußeren brachte Elana dazu, zu glauben, dass sie nicht zu der „ordentlichen, gebildeten und ehrenhaften“ Welt ihrer Eltern gehörte. Stattdessen legte sie sich ein eigenes Weltbild zurecht. Sie vermutete, dass die Welt in „Arbeiter“ und „Spieler“ unterteilt wäre. Ihre Eltern zählte sie zu den „Arbeitern“, während ihre leibliche Mutter und damit sie selbst „Spieler“ wären. Sie wusste, dass ihre leibliche Mutter Friseurin war, die Elena nach einem einmaligen sexuellen Kontakt empfangen hatte. Daraus reimte sie sich ihre Geschichte zusammen: ihre Mutter, so meinte sie, liebte Spaß und legte keinen Wert auf Regeln oder Bildung. Sie war damit das exakte Gegenteil ihrer Adoptivfamilie: „Ich muss nicht auf euch hören! Ihr seid nicht meine echten Eltern!“ schrie sie, wenn sie eine Regel gebrochen hatte. „Ich bin nur ein Kind und möchte eine gute Zeit haben.“ (S. 98)

Ein weiteres Beispiel ist Victoria. Die Fünfzehnjährige wollte ihre leibliche Mutter kennen lernen, weil sie an ihrem Erscheinungsbild in der Zukunft interessiert war: „Ich möchte meine leibliche Mutter sehen, damit ich weiß, wie ich aussehen werde, wenn ich älter bin.“ Viktorias jüngere biologische Schwester sieht genauso aus wie ihre Mutter. Viktoria fühlte sich daher anders als der Rest der Familie: „Jessica kann sagen wie sie aussehen wird, indem sie alte Fotos von Mama ansieht. Ich hätte auch gerne dieses Gefühl.“ (S.99)

Weil Teenager sich so sehr mit ihrem Aussehen beschäftigen, kann die Jugendzeit vor allem für Auslandsadoptierte sehr beunruhigend sein. Bei dunkelhäutigen oder asiatischen Kindern, die von europäischen Eltern erzogen werden, kann die optische Unterscheidung vom Rest der Familie Verwirrung auslösen: „Wenn wir durch die Straßen gehen, weiß jeder, dass ich adoptiert worden bin.“ sagt Josh, ein vierzehnjähriger Koreanischer Junge. (S.99)

Diese Kinder sind jedoch nicht nur äußerlich anders, sondern stammen auch aus einem anderen Kulturkreis. Nachdem die Jugendjahre eine Zeit sind, in der die kulturelle und ethnische Identität in den Vordergrund tritt, kann der Konflikt zwischen der Ethnie von Kind und Familie eine andere Ursache für Schwierigkeiten darstellen. Dies passiert aber nicht in allen Familien. Die gesündeste Anpassung – so die Autoren von „Being Adopted“ – finde bei Kindern statt, deren Familien es geschafft haben, die Bedeutung von Familie neu zu definieren. Wenn Menschen über Rassen- und Kulturgrenzen adoptieren, sind sie nicht mehr einfach eine weiße oder schwarze Familie. Sie werden zu einer multikulturellen und multiethnischen Familie mit Familienmitgliedern unterschiedlicher Hautfarben.

Die Unterschiede zwischen den Familienmitgliedern können als Teil der menschlichen Existenz geschätzt werden. Auch die Herkunftskultur kann in sinnvoller Weise - durch Feiertage, Reisen ins Land und häufige Interaktionen mit anderen Kindern gleichen kulturellen Hintergrunds - in die Familie gebracht werden. Diese Rahmenbedingungen bestimmen jedoch nicht allein, wie sich aus dem Ausland adoptierter Kinder und Jugendliche tatsächlich anpassen werden. Auch adoptierte Geschwister lösen die Suche nach ihrer ethnischen Identität oftmals sehr verschieden. Stevie und John wurden beispielsweise beide nach der Geburt von demselben weißen Elternpaar aus Brasilien adoptiert. Auf einen Familienurlaub nach Brasilien im Alter von 15 und 13 Jahren reagierte Stevie jedoch eher ängstlich und mit Verschlossenheit, während John mehr Sinn für seine kulturelle Biografie entwickelte und dies bestärkend fand.

Eine andere Familie hatte zwei Babys adoptiert, die beide eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater hatten. Beide sahen in ihren Teenagerjahren eher dunkelhäutig aus. Während Daniel jedoch Probleme hatte, seine damit verbundene Identitätskrise zu lösen, war das für seine Schwester Samantha nicht der Fall. „Ich sehe schwarz aus, aber ich kann nicht einmal tanzen“ beschwerte sich Daniel, nun 18. „Ich interessiere mich nicht für Rap-Musik und will auch nicht herumhängen.“ (S. 100f.)

Daniel hatte die Mittelklasse-Werte seiner Eltern akzeptiert und gab an, dass die Schwarzen in seiner Schule ihn für einen „Oreo“ hielten, d.h. außen schwarz und innen weiß („black on the outside – white on the inside“). Obwohl Daniels Interessen und Werte mehr weiß als schwarz waren, wurde er auch von den weißen Kindern der Schule nicht voll akzeptiert, v. a. seit er sich mit Mädchen traf. Die weißen Mädchen schienen freundlich und interessiert, aber Daniel wusste genau, dass ihre Eltern mit ihrer Wahl nicht glücklich sein würden. Sein jüngster Kompromiss war, mit asiatischen Mädchen auszugehen und sich mit asiatischen Jungen anzufreunden.

Die Identitätskrise lösen (S.101- 108)


Der Begriff „Identitätskrise“ wurde durch den Psychoanalytiker Erik Erikson berühmt, der sie als die Zeit während des Jugendalters beschrieb, in der Jugendliche darüber nachzudenken beginnen, wer sie sind. „Wer bin ich?“ bedeutet aber auch „Wer werde ich werden?“

Die Idee der Identität sei jedoch nicht so einfach, wie Erikson-Popularisierer einen glauben machen könnten, so die Autoren von „Being Adopted“. Die meisten Menschen erreichen keine einheitliche, gleich bleibende Identität, sondern denken an sich als verschieden in verschiedenen Zusammenhängen. Wir können durchaus eine Arbeitsidentität, eine sexuelle Identität und eine religiöse Identität haben oder eine Identität, die mit zwischenmenschlichen Verbindlichkeiten, Grundwerten oder anderen Aspekten unseres Lebens zu tun hat. Um eine Identität zu gewinnen, muss ein Individuum diese verschiedenen Aspekte des Selbst zu verschiedenen Zeitpunkten integrieren.

Das Ich als Familienmitglied sei beispielsweise eine wichtige Komponente der Identität. Adoptierte haben allerdings zwei Familien: eine, die sie kennen und eine, die sie oftmals nicht kennen. „Wer bin ich wirklich?“ ist eine Frage, auf die es oft keine ausreichende Antwort gibt, weil der/die Adoptierte von Personen und Informationen abgeschnitten ist, die helfen können, eine solche Antwort zu liefern.

Dem Psychologen James Marcia (Simon Fraser Universität) zufolge, kann die Identitätskrise auf eine von vier Arten gelöst werden (S.102f.)

1. Erreichen der Identität („identity achievement“)


Ein Individuum durchlebt eine Krise und versucht sie zu lösen, indem er/sie alternative Rollen ausprobiert. Die Person fragt sich: „Woran glaube ich?“ und probiert dann verschiedene Werte und Ideologien aus. Nach der Experimentierphase ist er/sie bereit, sich an eine bestimmte Identität und einen bestimmten Wertekanon zu binden. Das passiert in der Regel erst nach den Jugendjahren.

2. Moratorium/Stillhalten („moratorium“)

Diese Individuen beschäftigen sich ebenfalls mit Fragen wie „Woran glaube ich?“. Aber aus diversen Gründen müssen sie erst eine Lösung finden oder sich für einen bestimmten Weg entscheiden. Stillhalten ist keine langfristige Lösung, weil der Verbleib in der Krise an sich destabilisierend und unbequem ist. Diese Person wird sich daher letztendlich entweder in Richtung „Identitätsdiffusion“ oder „Erreichen der Identität“ weiter bewegen.

3. Identitätsabschottung („identity foreclosure“)

Dieses Individuum sieht so aus, als hätte es eine stabile Identität erreicht, da es sich für eine Werthaltung, einen Karriereweg und eine Rolle im Leben entschieden hat. Allerdings erfolgte diese Bindung verfrüht, bevor die Person die Möglichkeit hatte, mit Alternativen zu experimentieren. Ein klassisches Beispiel ist der junge Mensch, der einen Familienbetrieb übernimmt, nicht weil er/sie darüber nachgedacht hat, sondern weil es von ihm/ihr immer erwartet worden ist.

4. Identitätsdiffusion („identity diffusion“)


Diese Person vermeidet es nicht nur, sich mit einer Identitätskrise auseinander zu setzen oder Alternativen zu suchen, sondern auch, sich einer speziellen Identität zu verpflichten, wie einer Karriere, einer sexuellen Orientierung oder einem moralischen Wertekanon. Sie findet nichts attraktiv genug, um wenigstens zeitweilig anziehend zu sein. Identitätsdiffusion tritt auf, wenn ein junger Mensch ein Unterstützungssystem vermisst, das ihm erlaubt beunruhigende Fragen zu stellen oder eine Elternfigur, mit der er/sie sich ausreichend identifizieren kann. Das Kind geht durch die Jugendjahre und ist unsicher, was es will, unwillig sich mit Möglichkeiten auseinander zu setzen und unfähig sich mit einer nährenden Figur zu identifizieren, da keine verfügbar ist.

Das „Erreichen der Identität“ kann zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Bereichen eintreten. Ein Individuum kann beispielsweise eine moralische Identität erreicht haben, während es sich bei der beruflichen Identität im Moratorium befindet und bei der sexuellen Identität in Diffusion. Es handelt sich um einen dynamischen Prozess durch die Jugendjahre bis ins Erwachsenenalter, der sich kontinuierlich von der Bewertung zur Lösung und von der Störung zur Wiederbewertung weiter entwickelt.

Adoptierte Jugendliche unterscheiden sich in diesen Mustern nicht von nicht Adoptierten. Aber wenn adoptierte Jugendliche sich fragen, wer sie sind, stellen sie eine zweiteilige Frage. Sie müssen nicht nur entdecken, wer sie sind, sondern auch, wer sie im Verhältnis zu ihrer Adoption sind. Unter den Adoptierten sind „Identitätserreicher“ eher diejenigen, deren Familie ihnen erlaubt, Adoption zu diskutieren und ihnen hilft, zu einer Lösung zu kommen, wie adoptiert sein in ihr persönliches Gesamtbild passt.


Russ, ein Patient der Autoren stellte ab dem Grundschulalter Fragen über seine Herkunft. Seine Eltern beantworteten diese immer offen. Sie begleiteten Russ in seine Geburtsstadt und besuchten das Spital, in dem er geboren war. In den späten Jugendjahren kam Russ zu einer Therapie, um herauszufinden, was adoptiert sein für ihn bedeutete.

„Es ist merkwürdig“ sagte er unlängst, „aber nach all den Jahren des Fragens bin ich nicht mehr wirklich daran interessiert, zu suchen. Ich vermute, ich bin jetzt zufrieden damit, dass ich sehr gut verstehe, was adoptiert sein für mich bedeutet.“ (S. 104)

Der Umstand, dass Russ ein „Identitätserreicher“ ist, besagt nicht, dass er statisch oder unbeweglich wäre. Im Moment hatte er eine relativ stabile Lösung auf seine Fragen. Aber seine gesunde Neugierde lebt weiter und möglicherweise wird er in Zukunft aufbrechen und eine aktive Suche beginnen.

Viele andere adoptierte Jugendliche – vor allem diejenigen, die Brodzinsky et al. in ihrer Praxis kennen gelernt haben – erleben ein kontinuierliches Gefühl von Unsicherheit, was ihre Adoption für sie bedeutet. Das passiert typischerweise, weil die Eltern nicht ausreichend offen waren bzw. noch öfter weil die Informationen, die sie zur Lösung der eigenen Fragen benötigen nicht ohne weiteres verfügbar sind. Diese jungen Leute setzen die Suche nach ihrer Herkunft gedanklich oder in Handlungen fort. Sie befinden sich im Zustand des „Moratoriums“.

Kristin, 17 und als Baby adoptiert, ist dafür ein typisches Beispiel. Sie hatte immer ein aktives und widersprüchliches Fantasieleben was ihre leibliche Familie betrifft. Ihre leibliche Mutter war in ihrer Vorstellung manchmal außerordentlich reich und wunderbar und ihre Adoptiveltern hinderten sie an einem Leben in Luxus, welches ihr ihrer Meinung nach gebührte. Manchmal hatte sie aber auch sehr entgegen gesetzte Fantasien, nämlich dass ihre Mutter eine wertlose Frau sei, die häufig den Partner wechselte. In diesem Fall hatten die Adoptiveltern Kristin vor einer verwahrlosten und unterprivilegierten Existenz gerettet. Kristin ist diese Vorstellungen betreffend eine Jugendliche im Moratorium. „Das Schwierigste am adoptiert sein ist, dass es keine echte Information gibt“, sagt sie. „Ich habe Teilstücke hier und da, aber nichts scheint mir echt zu sein. Ich fühle mich oft innen leer.“ (S. 105)

Wie viele Jugendliche im Moratorium konfrontiert sich Kristin direkt mit dem Problem. Sie besucht eine Selbsthilfegruppe für Teenager, spricht mit ihren Eltern darüber und hat mehr Information von der Adoptionsagentur angefordert. Auch wenn sie noch nicht alle Informationen so zusammengesetzt hat, wie es ihr sinnvoll erscheint, sucht sie weiter nach Antworten. „Ich muss es verstehen“, sagt Kristin. „Wie kann ich sonst wissen, wer ich bin?“

Gregory, 19, ist ebenfalls ein adoptierter Jugendlicher im Moratorium, dessen Situation sich sehr von Kristins unterscheidet. Gregory ist schwarz und wurde im Alter von sieben Jahren von einer schwarzen Familie adoptiert. In den zwei Jahren davor hatte er bei zwei Pflegefamilien gelebt und davor mit seinen leiblichen Eltern, wobei die Mutter drogenabhängig war und der Vater ihn körperlich misshandelte. „Adoptiert sein ist nicht dasselbe, wie in eine Familie geboren worden zu sein“ sagte Gregory. „Du fühlst dich nicht als würdest du dort hingehören. Je mehr du darüber nachdenkst, umso verwirrender wird es. Ich suche weiter nach einem Grund, der mir verstehen hilft, warum das alles passiert ist. Ich kann keinen finden. Das ist sehr frustrierend. Ich bin darüber irgendwie sehr zornig. Dann komme ich manchmal in Schwierigkeiten.“ (S. 105)

Wie viele Jugendliche im Moratorium, sucht Gregory weiter Antworten auf seine Warum-Fragen: Warum wurde er misshandelt? Warum wurde er abgegeben? Warum wurde er zu dieser neuen und noch immer unvertrauten Familie geschickt? ...

Eine nicht geringe Gruppe von Jugendlichen befindet sich in einem Muster von „Identitätsabschottung“. Wenn sie darauf angesprochen werden, leugnen sie oft, dass Adoption viel für sie bedeutet. Fragt man jedoch weiter, stellt sich heraus, dass diese Jugendlichen die Einstellung ihrer Eltern zur Adoption akzeptiert haben und sie nicht selbständig untersuchen. Sie scheinen eher in Familien zu leben, in denen es relativ wenig Gespräche über Adoption gibt, weil das als nicht angemessenes Thema gilt. Viele dieser Jugendlichen empfinden, dass zu viel adoptionsspezifische Neugierde ihre Eltern verraten und die zerbrechliche Familienharmonie zerstören würde. Deswegen bringen sie das Thema nicht auf und fühlen sich schuldig, wenn sie nur daran denken. Sie empfinden einen starken Sinn von Zugehörigkeit als Familienmitglied und bekennen sich frühzeitig zu einer Identität, die ein Gefühl dafür ausschließt, was es heißt, adoptiert worden zu sein.

Viele Jugendliche in „Identitätsabschottung“ sind in den Teenagerjahren gut angepasst. Allerdings sind es oft die Meilensteine des unabhängigen Erwachsenenalters – Hochzeit, Elternschaft, der Tod der Adoptiveltern – die ihre Bedeutung als Person erschüttern.

Bei Joe Soll, einem adoptierten und äußerlich gut angepassten Teenager in Identitätsabschottung, tauchten die Probleme mit dem eigenen Selbstbild auf körperliche fast metaphorische Weise auf, indem er aufhörte zu wachsen. Die Spezialisten im Spital meinten, er hätte alles notwendige Wachstumspotential, schien sich aber über etwas Sorgen zu machen. Joe erinnert sich, dass er wusste, worüber er sich sorgte. Er benötigte viel Energie, seine Adoptionsschmerzen zu verleugnen. Als er schließlich auf eine höhere Schule ging und die elterliche Einflusssphäre verließ, erblühte er und wuchs in diesen Jahren überdimensional.

Adoptierte nehmen verfrüht eine Identität als Reaktion auf den mehr oder weniger subtilen Druck ihrer Eltern an, deren Meinung zu akzeptieren und keine Fragen zu stellen. Diese Jugendlichen scheinen sich vor weiteren Forschungen zu fürchten und sich für ihre Neugier schuldig zu fühlen.

„Es gibt nichts, was ich diesbezüglich tun könnte. Es ist vorbei und erledigt“, sagt Frankie, sechzehn, über seine Adoption. „Ich würde nur eine Dose mit Würmern öffnen. Ich habe ein gutes Leben, meine Eltern haben mir ein gutes Leben gegeben. Warum sollte ich das Risiko eingehen, es zu vermasseln, indem ich mich über die Vergangenheit nachdenken lasse?“ (S. 107)

Identitätsdiffusion ist gemeinsam mit dem Moratorium unter Adoptierten das typischste Muster in der klinischen Praxis, weil Jugendliche in diesem Zustand eindeutig in Schwierigkeiten sind. Identitätsdiffuse Individuen scheinen haltlos und ohne klaren Weg für sich selbst zu sein. Sie sind wirklichkeitsfremd, wenn es darum geht, wo sie waren und wo sie hingehen und vermissen einen klaren Sinn dessen, was sie glauben oder wer sie sind.

Robert war in der Volksschule ein guter Schüler, fühlte sich jedoch ab dem Alter von vierzehn Jahren zusehends unwohl mit seinem Platz in der Familie. Wie viele andere Teenager, begann Robert die Werte und Regeln seiner Eltern in Frage zu stellen, aber anders als die meisten fragte er sich auch, ob er überhaupt zu einer so oberflächlichen Familie gehörte. Er argumentierte, dass er als Baby adoptiert worden war und dass das nicht seine „echte“ Familie war. „Ich möchte allein sein.“ sagt er.

Nun mit achtzehn Jahren ist Robert im ersten Semester aus dem College ausgestiegen und lehnt alles ab, was in seiner Adoptivfamilie wichtig war. Er hat aber auch kein Interesse, seine biologische Familie zu finden. Er ist nicht in der Lage, Pläne zu machen, seine Möglichkeiten abzuwägen, zu sagen, was er glaubt, außer dass er an nichts glaubt, woran die Eltern glauben. Werden ihm Alternativen vorgeschlagen, wird er ängstlich. Wenn er sich zu etwas bekennen soll, kann er es nicht. Robert befindet sich im Zustand einer klassischen Identitätsdiffusion.

Während der Identitätskrise der Teenagerjahre kann Adoptiert Sein einen zusätzlichen Schmerz bedeuten: ein Gefühl, nicht nur die leiblichen Eltern verloren zu haben, sondern auch einen Teil seiner selbst. Adoptionsexperten nennen das „genealogische Verunsicherung“, das Gefühl, vom eigenen Erbe abgeschnitten zu sein, vom religiösen Hintergrund, der Kultur, der Hautfarbe. Wenn adoptierte Kinder anders als ihre Eltern sind oder sich so fühlen, kann die genealogische Verunsicherung überwältigend werden. Kimberly wurde in einem wohlhabenden Haus groß gezogen, begann jedoch im Alter von dreizehn Jahren von zu Hause fortzulaufen. Sie mied die klugen behüteten Mädchen, mit denen sie in ihrer Kindheit befreundet war und hing mit Kindern herum, die gerade dabei waren, aus der Schule zu fliegen.

„Ich fühle mich mit diesen Leuten wohler“ sagte sie ihrer Mutter. „Ich denke, sie sind mehr wie ich.“ (S. 108)

Kimberlys Verwirrung kam aus ihrer Unsicherheit darüber, woher ihre einzigartige Reihe von Talenten, Fähigkeiten und Perspektiven kam. „Bin ich wie meine leibliche oder wie meine Adoptivfamilie?“ fragte sie sich. Die Eigenschaften ihrer Adoptivfamilie waren täglich zu sehen und zu erleben. Die Merkmale ihrer leiblichen Eltern waren völlig unbekannt. Deswegen fühlte sich Kimberly so verwirrt.

Auch wenn Jugendliche nach Piaget das kognitive Stadium der formalen Operationen erreicht haben, sind die Fragen von Adoptierten so grundlegend, dass viele Jugendliche zu einem konkreteren Denkstil zurückkehren, wenn sie sich mit dem Thema Adoption auseinander setzen. Die Dinge geraten dann oft schwarz-weiß. Adoptierten kommt es vor, dass ihre „gute Seite“ von der einen Familie kommen muss, während die „schlechte Seite“ von der anderen kommt. Die einzige Frage ist, welche Seite welche ist? Da Brodzinsky et al. die Erfahrung gemacht haben, wie „wortwörtlich“ viele noch so gebildete Adoptierte in dieser Situation denken können, fragten die Autoren Kimberlys Mutter nach ihrer Adoptionsgeschichte, die wie folgt lautete: „Deine Mutter war nicht verheiratet als sie dich bekam. Sie war zu arm, um für dich zu sorgen.“ Wenn die Mutter arm war, so müsse sie das auch sein, schloss Kimberly. Sie wechselte die ökonomische Klasse mit sechzehn und heiratete einen Schulabbrecher aus einer Arbeiterfamilie.

Die Familienromanphantasie geht weiter (S.109 – 110)


Wie im vorigen Kapitel besprochen, haben die meisten Kinder im Alter von elf bis zwölf Jahren ihre Familienromanfantasien gelöst. Wenn sie zu Jugendlichen werden, haben sie in der Regel akzeptiert, dass ihre Eltern zwei Seiten haben: sie können sowohl nähren und fördern, als auch disziplinieren, sowohl gute als auch schlechte Menschen sein. Für Adoptierte wird die Familienromanfantasie oft erst im Jugendalter gelöst bzw. reicht nicht selten bis ins Erwachsenenalter, weil das Vorhandensein eines zweiten Elternpaares sie viel schwerer lösbar macht. Das Kind hat tatsächlich zwei unterschiedliche und möglicherweise sehr gegensätzliche Elternpaare. Wenn der/die Jugendliche sich aus den Regeln und Beschränkungen der Adoptivfamilie befreien will, sind die Adoptiveltern leichte Angriffsziele und die leiblichen Eltern werden mehr und mehr idealisiert.

„Ich habe keine Beziehung zu meinen Eltern und sie verstehen mich nicht“, sagt Denise, 14, eines von drei adoptierten Kindern. „Ich denke manchmal, dass es ihnen Spaß macht, mir weh zu tun. Sie scheinen sich besondere Mühe darum zu geben.“ (S. 109) Denise ist ein bekümmertes, verärgertes, oppositionelles Mädchen, das die Mehrheit ihrer Probleme ihren Eltern zuschreibt. Ihre leiblichen Eltern seien da etwas ganz anderes und sie stellt sich vor, dass sie sie besser verstehen würden: „Die Blutsverwandtschaft würde einen Unterschied machen. Könnten sie bei mir sein, würden sie wissen was ich brauche – nicht wie meine Adoptiveltern.“ (S. 109)

In Denises Lebensbild sind die Adoptiveltern die Bösen und die biologischen Eltern potentielle Retter. Mit zunehmender Reife und Lebenserfahrung verstehen Jugendliche in der Regel aber, dass Ambivalenz normal und akzeptabel ist. Dann können sie anerkennen, dass sie manchmal dieselben Eltern hassen, die sie auch lieben. Bis dahin kann das Leben mit einem Teenager allerdings eine emotionale Achterbahnfahrt sein.

Sexualität und „schwarze Schafe“ (S. 110 – 113)


Sexualität kann für jeden Teenager ein belastendes Thema sein, vor allem aber für adoptierte Teenager. Wurden sie selbst von Teenager-Müttern geboren, fühlen sie möglicherweise, wie sich der Kreislauf in ihrem eigenen sexuellen Verhalten wiederholt. Adoptivmütter, die lange mit ihrer eigenen Unfruchtbarkeit zu kämpfen hatten, sind möglicherweise eifersüchtig oder gereizt auf die sich entwickelnde Fortpflanzungsfähigkeit ihrer Tochter. Adoptivväter, die ihre Töchter plötzlich attraktiv finden, können verwirrt über den Wegfall des Inzest-Tabus sein, das solche Gefühle üblicherweise unterdrückt. Die erwachende Sexualität von Adoptierten kann daher kompliziert für die ganze Familie werden.

Manche Adoptiveltern suchen bei ihren Teenagern nach Zeichen sexueller Experimente und verstehen diese als Beweis, dass das Kind wie die leiblichen Teenager-Eltern zum „schwarzen Schaf“ wird. Dies ist besonders wahrscheinlich, wenn das Kind aus Promiskuität, Vergewaltigung oder Inzest entstanden ist.

Selma, nun 57, erinnert sich an das unklare Verhalten ihrer Mutter, als sie in der neunten Schulstufe war. Sie hatte einen netten Jungen gefragt, ob er sie auf eine Schulveranstaltung begleiten würde und er hatte zugestimmt. Alle anderen Mädchen waren deshalb neidisch. Die Mutter verbot ihr jedoch die Teilnahme und sagte, dass nur „schlechte Mädchen“ solche Veranstaltungen besuchen. Das war für Selma eine völlig verwirrende Aussage, da es sich um eine Veranstaltung handelte, an der die ganze Klasse teilnahm. Erst vierzig Jahre danach verstand sie die Aufregung der Mutter. Nach dem Tod ihrer Eltern hob Selma ihre erste Geburtsurkunde aus und es stellte sich heraus, dass der Nachname ihres leiblichen Vaters mit dem Nachnamen jenes Jungen übereinstimmte, mit dem sie damals die Veranstaltung besuchen wollte.

Sally, eine andere Patientin, stellte sich selbst vor, dass sie ein „schwarzes Schaf“ in sich hatte. Im Alter von 16 begann sie, mit mehreren Jungs ihrer Clique Sex zu haben und benahm sich allen männlichen Wesen inklusive ihren Lehrern, ihrem jüngeren Bruder und ihrem Psychiater gegenüber sehr verführerisch. Ihre Eltern waren besorgt wegen ihrer schlechten Noten und der Alkohol und Drogen konsumierenden Jugendlichen, mit denen sie ihre Zeit verbrachte. Zusätzlich machte Sally ihrer Familie das Leben schwer. Sie stieß ihre eher sanfte Mutter verbal und manchmal auch körperlich herum und hänselte ihren ebenfalls adoptierten 13-jährigen Bruder gnadenlos.

Nach einigen Terminen entdeckten die Autoren, das viele von Sallys Verhaltensweisen darauf zurück zu führen waren, dass sie sich vorstellte, ihre leibliche Mutter sei Marilyn Monroe. Diese Überzeugung entstand in der Unterstufe, als Sally Marilyn Monroe als Thema für ein Klassenprojekt bearbeitet hatte. Seitdem sammelte sie Marilyn-Bücher und Erinnerungsstücke und begann sich so zu kleiden und verhalten, wie sie annahm, dass Marilyn es getan hätte.

Als intelligentes Mädchen wusste sie, dass sie erst vierzehn Jahre nach Marilyns Tod geboren worden war. In vernünftigen Momenten entschied sie daher, dass ihre leibliche Mutter nur wie Marilyn Monroe ausgesehen hatte, ein stilles Leben führte und nun darauf wartete, gefunden zu werden.

Andere Formen sexueller Verhaltensweisen in Zusammenhang zur Adoption können noch besorgniserregender sein. Manche Teenager widersetzen sich dem Inzest-Tabu, weil sie mit ihrer Adoptivfamilie nicht biologisch verwandt sind. Andere werden absichtlich schwanger, um ungeschehen zu machen, was sie als Fehler ihrer leiblichen Mutter empfinden. Wieder andere nehmen die umgekehrte Richtung und scheuen auch vor gesunden sexuellen Experimenten zurück, weil sie sich bewusst sind, wo ihre leiblichen Mütter „gelandet“ sind.

Als John neunzehn war, gab er bekannt, dass er seine 16-jährige Schwester heiraten will. „Wir sind beide adoptiert, also sind wir nicht wirklich Bruder und Schwester.“, argumentierte er.

Als Jill fünfzehn war, wurde sie absichtlich schwanger. Sie war im selben Alter wie ihre leibliche Mutter, als sie Jill erwartete. „Ich will für mein Baby tun, was meine leibliche Mutter nicht für mich tun wollte“, erklärte sie.

„Ich heiratete als Jungfrau“ erinnert sich Susanne, inzwischen vierundvierzig und geschiedene Mutter von zwei Burschen im Teenager-Alter. Es gab keinen direkteren Weg in die Hölle, als dass ich mit der Möglichkeit konfrontiert sein würde, ein Kind zur Adoption frei zu geben. Ich wollte meiner Mutter auch beweisen, dass ich keine Schlampe bin, wie es von meiner leiblichen Mutter angenommen wurde.“ (S. 112)

Kelly, eine adoptierte Jugendlich wurde unabsichtlich im letzten Schuljahr schwanger und wollte tun, was sie für richtig hielt – nämlich das Kind bekommen und zur Adoption freigeben. Aber sie enttäuschte sich selbst, indem sie nicht „den Mut hatte, den ihre leibliche Mutter aufgebracht hatte, die dabei auch noch jemanden anderen glücklich gemacht hatte“. Kelli fürchtete sich, mit ihren streng katholischen Eltern über die Schwangerschaft zu sprechen, hatte einen Schwangerschaftsabbruch und behielt das Geheimnis für sich.

„Letztlich heiratete ich den Vater ein paar Jahre später“ sagte Kelli, nun sechsundzwanzig, Mutter eines Zweijährigen und gerade schwanger. „Ich denke, wenn ich das Baby gehabt hätte, hätten wir es schaffen können. Ich fühle immer einen leeren Raum in unserer Familie.“ (S. 112)

Wenn der/die Adoptierte in der mittleren oder späten Kindheit in die Adoptivfamilie kommt und eine Geschichte körperlichen oder sexuellen Missbrauchs hinter sich hat, kann die Furcht ein „schwarze Schaf“ zu werden besonders tief greifend sein. Für Eltern und Kind tauchen diese Ängste immer wieder auf, wenn sich das Kind sexuell zu entwickeln beginnt.

Hannah, sechzehn, war zunächst in Pflege bei der Familie, die sie danach adoptierte. Sie hat eine Geschichte sexuellen Missbrauchs durch ihre Mutter, die im Alter von sechs Jahren begann und sich während ihrer Besuche zu Hause fortsetzte bis sie elf Jahre alt war. Hannah hatte seitdem eine Folge von emotionalen Problemen. Sie wurde mit zwölf Jahren sexuell aktiv, rannte bei mehreren Gelegenheiten von zu Hause fort und machte drei halbherzige Selbstmordversuche. Eine aktuelle Episode beunruhigte sie wie noch keine zuvor. Nach einem Streit mit ihrem aktuellen Freund schlief Hannah mit zwei Jungen in derselben Nacht, um ihn zurück zu bekommen. „Ich bin die Tochter meiner Mutter“ sagt sie und drückt das erste Mal ihre große Angst aus, dass sie sexuell außer Kontrolle geraten könnte.

Erste Zeichen einer aktiven Suche nach den leiblichen Eltern (S. 113 – 118)


Kit begann im Alter von 16 Jahren von Zuhause fort zu laufen. Mit ihrem außergewöhnlichen roten Haar glaubte sie, sie würde ihre Chancen damit erhöhen, ihrer leiblichen Mutter zufällig in die Arme zu laufen. Kit nahm von dieser Frau an, dass sie leicht zu entdecken wäre, weil sie ebenfalls leuchtend rotes Haar haben müsse…

Obwohl es nicht die Norm ist, beginnen viele Adoptierte im Jugendalter eine aktive Suche nach ihren leiblichen Eltern, so die Autoren von „Being Adopted“. Manchmal sei auch ein neu auftretendes zerstörerisches Verhalten von Jugendlichen als „Suche im Verborgenen“ zu verstehen. Grundsätzlich berichten die Autoren aus ihrer therapeutischen Praxis, dass sie ausnahmslos allen Teenagern, mit denen sie gearbeitet hatten, auch bei der Suche geholfen hätten. Das bedeute nicht unbedingt eine Suche im wörtlichen Sinn, wohl aber, dass zumindest die Gefühle über das Adoptiert Sein klarer gestellt wurden. In wenigen ausgewählten Fällen wären sie einen Schritt weiter gegangen und hätten die Teenager ermuntert, in Absprache mit den Adoptiveltern eine aktive Suche nach ihren leiblichen Eltern zu beginnen, wenn anzunehmen war, dass das ihre Probleme im Umgang mit Adoptionsbelangen besser lösen kann.

Die leiblichen Eltern zu finden – sei es, mehr Information über sie zu entdecken, sei es direkt mit ihnen in Kontakt zu treten – könne eine große Befreiung für einen Teenager sein, so Brodzinsky et al. Eine Suche könne die Aufgabe des Jugendlichen vereinfachen, sich von der Familie zu lösen. Es gibt dem Teenager etwas in die Hand, von dem er oder sie sich trennen kann. Ohne zu wissen wer die leiblichen Eltern sind, haben Jugendliche jedoch manchmal das frustrierende Gefühl, gegen ein Vakuum zu drängen.

Die Suche selbst kann ebenso wie die Definition einer „erfolgreichen“ Suche viele Formen annehmen. Sie muss nicht in einem direkten Kontakt zu den leiblichen Eltern enden. Selbst wenn relativ wenig Information verfügbar ist, kann die Familie trotzdem die für die Geschichte des Kindes wichtigen Plätze besuchen oder mehr über diese in Erfahrung bringen.

Pamela, 15, hatte viele der Fragen, die auch andere adoptierte Teenager haben: Wie sah meine Mutter aus? Warum gab sie mich fort? Woher komme ich und wie war es dort? Wer waren die Leute, die mit meiner Mutter gesprochen haben? (S. 114)

Brodzinsky et al. empfanden, dass Pamela mehr Informationen über ihre Geburt brauchte und ihre Eltern stimmten zu. Wie in den meisten US-Bundesstaaten waren die Adoptionsakten in Pamelas Geburtsstaat verschlossen und die zuständige Adoptionsagentur wollte diese nicht öffnen. Allerdings erklärten sich die Mitarbeiter/innen bereit, mit dem Mädchen zu sprechen.

Pamela und ihre Eltern reisten in Pamelas Geburtsstadt, besuchten das Geburtsspital, spazierten durch das Viertel um das Spital und gingen schließlich zur Adoptionsagentur. Zwei Beraterinnen waren noch da, die schon vor fünfzehn Jahren in der Agentur gearbeitet hatten. Auch wenn sie nicht direkt mit Pamelas leiblicher Mutter gearbeitet hatten, erinnerten sie sich an sie und Pamela fotografierte sie. „Ich weiß jetzt mehr über meine Geschichte,“ sagte Pamela, auch wenn viele ihrer Fragen unbeantwortet blieben. „Zumindest habe ich eine Idee, wie die Stadt aussieht, wenn ich sage, ich bin in Minneapolis geboren.“

Manchmal ist es unmöglich, an die erforderlichen Informationen zu kommen, um eine aktive Suche auf die Beine zu stellen. Doch auch eine imaginäre Suche gibt – so Brodzinsky et al. – einem Teenager die Erlaubnis, über seine/ihre leiblichen Familien nachzudenken und sich durch die Gefühle über das Adoptiert Sein durchzuarbeiten. Die Autoren helfen manchmal am Start einer solchen imaginären Suche, indem sie die Patienten/innen einen Brief schreiben lassen. Diese Briefe beinhalten eine Zwei-Weg-Korrespondenz zwischen Adoptierter/Adoptiertem und der leiblichen Mutter. Der/die Adoptierte schreibt alle Briefe, d.h. den eigenen Brief an die leibliche Mutter sowie deren Antwort.

Ein Beispiel ist Lori, sechzehn. Die Autoren baten sie, Briefe an ihre leibliche Mutter zu schreiben, und beobachteten über neun Monate, wie Lori allmählich den Umstand akzeptierte, dass sie adoptiert worden war und ihre Vergangenheit Ungewissheiten beinhaltete. Lori hatte anfangs nur sehr spärliche Informationen: sie wusste, dass ihre leibliche Mutter 19 Jahre alt und ihr leiblicher Vater beim Militär gewesen und sie in einer kleinen südlichen Stadt geboren worden war. Lori war die ältere von zwei adoptierten Kindern und kam in Therapie, weil sie vorlaut, trotzig, niedergeschlagen und schlecht in der Schule war. Kurz nach ihrem ersten Besuch baten die Autoren Lori, ihrer leiblichen Mutter zu schreiben (S. 115):

Liebe Ich-weiß-nicht-wie-ich-dich-nennen-soll,
es ist wirklich merkwürdig, diesen Brief zu schreiben. Ich kenne dich nicht und du kennst mich nicht, aber ich bin ein Teil von dir und du bist ein Teil von mir. Ich habe so viele Fragen zu stellen. Warum hast du mich abgegeben? Ich denke, es muss einen guten Grund gegeben haben. Ich denke daran, dich zu besuchen, aber ich fürchte mich, dass du mich nicht sehen willst.


Ich denke die ganze Zeit an dich, wie du wohl aussiehst und was du gerne tust. Ich koche gerne und trage schräge Kleider. Du auch?


Ich fühle mich nicht wie alle hier. Ich spreche von meinen Adoptiveltern. Ich denke, sie sind in Ordnung, aber sie sind nicht wie ich. Ich kann keinen Zusammenhang zwischen uns herstellen. Ich vermisse dich und würde dich gerne sehen. Bitte schreibe mir.


Alles Liebe, Lori (?)

Deine Tochter


Eine oder zwei Wochen danach schrieb Lori folgende ausgedachte Antwort ihrer leiblichen Mutter:

Liebe Lori,
was für eine wunderbare Überraschung! Nach all den Jahren habe ich dich nun gefunden oder zumindest von dir gehört. Ich freue mich so sehr, dass du geschrieben hast. Auch ich denke an dich. Ich denke darüber nach wie du bist und wie das Leben gewesen wäre, wenn du bei mir gelebt hättest. Ich würde dich auch gerne sehen. Bitte schreibe bald zurück. Ich liebe Dich.


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Deine Mutter


Nach zwei Monaten Therapie offenbarten Loris Eltern erstmals, dass sie den Namen der leiblichen Mutter am Rand eines Dokuments geschrieben gesehen hatten, das die Adoptionsagentur weiter geleitet hatte. Sie hatten Lori das nie zuvor gesagt. Für eine Zeit trug Lori nun den Nachnamen ihrer leiblichen Mutter. Damals verfasste sie diesen Briefwechsel.

Liebe Mama,
ich kann es nicht glauben. Ich weiß jetzt Deinen Namen. Meine Adoptiveltern haben mir nie gesagt, dass sie deinen Namen kennen. Sie haben es mir verheimlicht. Ich frage mich, was sie sonst noch wissen und mir nicht gesagt haben. Ich kann ihnen nicht vertrauen. Ich habe nun einen Namen, meinen eigenen Namen. Ich fühle, als wäre ich es, als wüsste ich Bescheid wer ich bin, zumindest zum Teil


Ich freue mich, dass du all die Jahre an mich gedacht hast. Es lässt mich empfinden, dass du mich wolltest. Ich verstehe aber noch immer nicht, was passiert ist. Es verwirrt mich, wenn ich darüber nachdenke. Du musst einen guten Grund gehabt haben, nicht für deine eigene Tochter zu sorgen. Ich vermute, du warst zu jung oder dergleichen. Erzähl mir im nächsten Brief etwas von dir, okay?


Ich liebe Dich,

Lori


Lori antwortete sich selbst auf überraschende Weise, indem sie sich mitteilte, wie wichtig es wäre, geduldig mit den Adoptiveltern zu sein, auch wenn sie sie verärgert hätten, indem sie die Information über den Namen zurück gehalten hatten.

Liebe Lori,
ich bin so froh, dass du herausgefunden hast, wer ich bin. Das macht mich wirklicher für dich. Sei nicht böse auf Deine Eltern, Deine Adoptiveltern. Sie haben vielleicht gedacht, dass es das Beste ist, meinen Namen vor Dir zu verheimlichen, weil du dann vielleicht kommen und mich suchen würdest oder so etwas.


Ich war zu jung um für Dich zu sorgen. Ich war noch selbst ein Teenager. Ich war nicht verheiratet und niemand konnte mir helfen. Ich wollte es nicht machen, aber alle sagten, es wäre das Beste für Dich. Bitte verstehe.


Vielleicht könntest Du kommen und mich bald besuchen?

Wie denkst Du darüber?


Alles Liebe,

Mama


Sieben Monate später kurz vor dem Ende der Therapie schrieb Lori ihrer leiblichen Mutter und sprach sie nicht mehr so intim mit „Mama“, sondern mit ihrem Vornamen an, wie man jemand Gleichaltrigen ansprechen würde.

Liebe Claire,
es ist eine Weile her, seit ich Dir geschrieben habe. Viel hat sich verändert. Ich plane, dich bald zu suchen. Meine Eltern haben zugestimmt, mir zu helfen. Sie haben den Arzt in North Carolina angerufen, der mich entbunden hat. Er sagte, er könnte uns helfen. Ich vermute, ich werde vielleicht nie die Antwort auf meine Frage kennen – warum es passiert ist. Vielleicht gibt es darauf keine Antwort.


Ich bin noch immer verwirrt, ich halte meinen Vater noch immer nicht aus. Er macht mich manchmal krank. Aber ich mag jetzt meine Mutter. Sei mir nicht böse, sie wird nie meine echte Mutter sein. Du wirst es immer sein, ich weiß das. Aber ich kann mit ihr sprechen und das hilft.


In der Schule läuft es besser. Meine Noten sind in Ordnung. Ich kann es allerdings kaum erwarten, die Schule abzuschließen. Ich mag sie wirklich nicht. Ich mag die Regeln nicht und die Menschen, die dir sagen, tu dies und tu jenes. Aber ich halte es noch ein Jahr aus.


Sei nicht überrascht, wenn ich dich bald anrufe. Naja, vielleicht auch nicht zu bald. Es kann eine Zeit dauern, dich zu finden. Ich hoffe, wir werden es schaffen. Ich hoffe nur, du möchtest mich sehen. Aber selbst wenn nicht, werde ich damit umgehen können. Zumindest weiß ich wo Du bist und dass es dich wirklich gibt.


Alles Liebe, Lori


Diese Briefe sind wichtige Wegweiser für Loris Fortschritt in der Therapie. Über den Zeitraum von neun Monaten zeigte sie zunehmende Toleranz für ihre Eltern, den Umstand, dass sie ihre leibliche Mutter vielleicht nie finden wird und die noch unbeantworteten Fragen. Sie trug nun nicht mehr den Nachnamen ihrer leiblichen Mutter, sondern hatte ihn als mittleren Namen integriert. Sie war soweit gekommen, sich selbst als Teil ihrer Adoptivfamilie zu akzeptieren und fühlte sich dennoch (durch ihren neuen mittleren Namen) mit einer nur teilweise bekannten Vergangenheit verbunden.

Sich Richtung Erwachsensein bewegen (S. 118 – 119)


Wenn Jugendliche reifen und Interessen und Fähigkeiten entwickeln, die sich von denen ihrer Familie unterscheiden, können sie ein neues Interesse an ihrer Herkunft empfinden. Wenn ich so bin, könnten sie überlegen, was war in meiner unbekannten Vergangenheit, das mich so gemacht hat? Ein Bedürfnis, diese Art von Fragen zu beantworten, treibt in der Regel eine Suche während der späten Jugendzeit an.

Im College begann Sharon sich beispielsweise für Kunst und Kunstgeschichte zu interessieren. Je mehr sie malte, umso mehr fragte sie sich, woher dieses Talent kam. Sharons Adoptiveltern waren beide praktische, solide und völlig unkünstlerische Menschen. Um die Frage nach ihrem Kunstinteresse zu klären, begann Sharon eine Suche, die fünf Jahre später in der schmerzhaften Erkenntnis endete, dass ihre leibliche Mutter mit achtunddreißig Jahren bei einem Verkehrsunfall verstorben war. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie im selben Alter zu malen begonnen hatte wie Sharon. Der Vater der leiblichen Mutter war ebenfalls ein lokaler Amateurmaler und hatte sogar Wandgemälde in zwei Kirchen seines Heimatortes verwirklicht. Das herauszufinden gab Sharon die Erlaubnis, ihre Identität als künstlerisches Individuum zu vervollständigen. Als sie außerdem noch die Mitglieder des weiteren Familienkreises ihrer leiblichen Mutter kennen lernte - insgesamt fast 60 Personen - verhielten sich alle neuen Verwandten, als würden sie den Geist der Verstorbenen sehen. Sharon ähnelte ihrer Mutter nicht nur optisch, sondern auch in ihren Gesten, in ihrem Lächeln, ihrem Gesichtsausdruck und dem Klang ihres Lachens.

Manchmal arbeiten die neuen Interessen der Jugendjahre jedoch auch in eine andere Richtung. Statt den Teenager zur Suche zu treiben, können sie einen Jugendlichen so umfassend beschäftigen, dass die Adoption an Bedeutung verliert. „Ich werde jeden Tag weniger neugierig“, sagt Quintana, 16, in „How it feels to be adopted“ (Wie es sich anfühlt, adoptiert zu sein). „Ein Grund könnte sein, dass ich nicht wirklich viel Zeit für Detektivarbeiten habe. Ich interessierte mich mehr, als ich 11 oder 12 Jahre alt war.“ Dennoch erlaubt sich Quintana Fantasien über eine Wiedervereinigung mit ihrer leiblichen Mutter. Wenn sie ihre „echte Mutter“ gefunden hätte, würde ich einen Arm um Mama legen und einen Arm um meine andere Mama und ich würde sagen: „Hallo Mamas“. (S. 119)

Mit dem „Jugendalter“ enden die hier angebotenen Zusammenfassungen des Buches „Being Adopted. The Lifelong Search for Self“. Das Buch führt die Beschreibung der Entwicklungsstufen und -aufgaben von Adoptierten weiter bis ins späte Erwachsenenalter.

Folgende anschließende Kapitel sind im Original im Anschluss an das "Jugendalter" verfügbar:

The Adopted Adult
5. Young Adulthood. The Twenties and Thirties
(S. 123 – 148)
6. Mid-Life. The Forties and Fifties
(S. 149 – 162)
7. Late Adulthood. The Sixties and Beyond
(S. 163 – 177)
Conclusions
8. A look to the future (S. 181 – 190)
Epilogue: One Life Review (S. 191 – 193)

Das Buch "Being Adopted" ist u.a. bei Amazon erhältlich.


Lesen Sie Teil 1 der Zusammenfassung unter:

http://dev.adoptionsberatung.at/themen/adoptierte/251-wieadoptierteihreadoptionerleben.html

Lesen Sie Teil 2 der Zusammenfassung unter:
http://dev.adoptionsberatung.at/themen/adoptierte/80-wiebabysihreadoptionerleben.html

Lesen Sie Teil 3 der Zusammenfassung unter:
http://dev.adoptionsberatung.at/themen/adoptierte/261-wiekleinkinderundvorschulkinderihreadoptionerleben.html

Lesen Sie Teil 4 der Zusammenfassung unter:
http://dev.adoptionsberatung.at/themen/adoptierte/262-wieschulkinderihreadoptionerleben.html