Mutter auf Papier

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Buch CoverMutter auf Papier. Gertraud Klemm.
Prosa
Arovell Mai 2010
12,90 €
ISBN-10: 3902547189
ISBN-13: 978-3902547187

 

Eine Adoptivmutter zieht Bilanz: Gertraud Klemm beschreibt in ihrem zweiten Buch „Mutter auf Papier“ den Verlauf einer außergewöhnlichen Familiengründung. Es ist auch ein sozialkritischer Beleg einer ungewöhnlichen Familienplanung.

Die Autorin, die mit ihrer Familie in Baden bei Wien lebt, hat in ihrem neuen Buch ihre Erfahrungen rund um die Adoption ihres Kindes literarisiert. Neben ihrer Tätigkeit als freie Autorin und Schreibpädagogin arbeitet Gertraud Klemm als Kolumnistin.

Die „Mutter auf Papier“ ist eine Frau, die nicht dazugehört. Das weiß sie schon, bevor festgestellt wird, dass sie unfruchtbar ist – eine Abweichung, die in ihrem sozialen Umfeld Interesse erregt. Anmerkungen werden geäußert, von Freunden bis zu professionellen Hilfen wie TCM und Ärzten.

Sie ist zunehmend verstört, muss eine Fehlgeburt erleben, die sie ins Abseits befördert. Sie erfährt eine menschliche Abwertung, ein Ohnmachtsszenario umgibt sie immer mehr. Als sie um eine Auslandsadoption ansucht, muss sie sich mit den Behörden auseinandersetzen. Doch das afrikanische Kind ist sehr rasch da und ebenso abrupt beginnt damit ihre Mutterschaft, die eine neuerliche Prüfung darstellt. Das Muttersein erlebt sie sehr bewusst und konkret. Die Unterschiede zu den „echten“ Müttern, die sie „Diemütter“ nennt, werden augenscheinlich: „Muttersprech saugt den Kopf aus. Morgens Hirnschwund. Ganz leicht trällert das Mamalied, jeden Tag. Dahinter stampft Echo Angst.“

Fazit: Eine außerordentliche literarische Idee, schonungslos aufbereitet, aber meiner Einschätzung nach manchmal zu sachlich, ein bisschen mehr Poesie hätte nicht geschadet.

Dessen ungeachtet sehr empfehlenswert.

Rudolf Kraus
Quelle: http://www.oesv.or.at/tl_files/oesv/Dokumente/Literarisches%20Oesterreich%202010-02.pdf