Alles, was man wissen muss. Rüstzeug für (werdende) Adoptiveltern

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"Alles was man wissen muss" ist der Untertitel des Adoptionsbuches von Herbert Riedle, Barbara Gillig-Riedle und Brigitte Riedle, das Anfang 2005 im TiVan-Verlag erschienen ist.

Die Autoren versuchen, diesem Titel gerecht zu werden, indem sie auf etwas mehr als 250 Seiten eine Vielzahl unterschiedlicher Aspekte von Adoption beleuchten, die gerade für werdenden Adoptiveltern oder noch Unschlüssigen einen umfassenden Einblick in die Vielschichtigkeit des Themas und die Fragestellungen gibt, die Adoptivfamilien in der Regel erwarten.

Das Buch stellt eine logische Fortsetzung des "Ratgebers Auslandsadoption" dar, den das Autorenteam 2002 herausgebracht hat. Schon hier galt es, etwas zu schaffen, was im deutschen Sprachraum bisher nicht existierte: einen leicht zu lesenden Ratgeber, wie er eher für den englischsprachigen Raum typisch ist. Hier geht es nicht darum, Theorien zu diskutieren, die Institution "Adoption" grundsätzlich zu hinterfragen oder sich wissenschaftlich mit dem Thema auseinander zu setzen. Es geht darum, Adoptivwerber in die Lage zu versetzen, bewusst und informiert zu adoptieren. Dazu ist es notwendig, die Verfahrensabläufe bei Adoptionen zu kennen, die freien Adoptionsvermittlungsstellen und ihre Angebote vergleichen zu können, zu wissen, was einen bei der Eignungsprüfung erwartet und vieles mehr.

Was im Zuge dieser eher verfahrensorientierten Zugangsweise nur angeschnitten werden konnte, ist nun Thema des zweiten Buches. Auch diesmal wollen die Autoren einen Ratgeber produzieren, der nun aber nicht mehr den Schwerpunkt auf den bürokratischen Prozess und die Länderentscheidung legt, sondern auf die Fragen, für die vor allem werdende Adoptiveltern ganz persönliche Antworten finden müssen, um den Adoptionsweg sicher zu beschreiten. Zu diesen Fragen gehören zum Beispiel, ob sich das Leben mit einem ausländischen Adoptivkind schwieriger gestalten wird, welches Kind eine Familie sich "zutrauen" kann oder wie es möglich ist, freizügig mit dem Thema Adoption umzugehen und sich dennoch als ganz normale Familie zu fühlen. Auch Aussagen, die in Adoptionvermittlungsstellen häufig fallen, werden diskutiert: was ist eigentlich damit gemeint, dass ein Kind nicht "Ersatz für ein leibliches Kind" sein darf und ist es tatsächlich die Regel, dass Adoptivkinder entwicklungsverzögert, beziehungsgeschädigt und traumatisiert sind?

Diese und viele andere Themen werden anhand von Fallbeispielen aufgerollt. Eine bestimmte Familiensituation wird erzählt und im Anschluss kommentiert, zum Beispiel die häufige positive Resonanz, die fremdländische Kinder nur wegen ihres anderen Aussehens in der Öffentlichkeit ernten, die Bedeutung von Ritualen für Kinder oder die Frage, wer in einer Adoptivfamilie wem Dank schuldet. So bleibt das Buch immer lebensnah und zeigt die Breite von Situationen, die es sich lohnt, als (werdende) Adoptivfamilie zu durchdenken.
Die Kommentare des Autorenteams bleiben prägnant und können als Diskussionsgrundlage verstanden werden, die einen Gedankenanstoß bieten, aber nicht nach Vollständigkeit streben. Ebenso breit sind die Inhalte: das Spektrum spannt sich von der Entscheidung zur Adoption ("Kinderwunsch und Adoption") über die Entscheidung, ob In- oder Auslandsadoption und für welches Kind sich eine Familie bewerben soll ("Welches Kind passt zu uns?") bis zur Überprüfung der Bewerber ("Welche Kriterien muss man erfüllen?"). Weiters werden "häufige Aussagen von Adoptionsvermittlungsstellen" besprochen, das Adoptionsverfahren selbst, die rechtlichen Folgen der Adoption (leider ohne Österreichteil) und wie sich eine wartende Familie vorbereiten kann.

Besonders umfangreich gestaltet sich jener Teil über das Leben mit Adoptivkindern, während der Österreichteil leider nur wenige Seiten umfasst, auf denen wirklich nur die allerwichtigsten Grundlagen Platz finden, während Unterschiede im Adoptionsverfahren, den rechtlichen Rahmenbedingungen und Folgen der Adoption leider unbeachtet bleiben.
Unabhängig davon ist "Adoption. Alles was man wissen muss" aber eine durchaus empfehlenswerte und kompetente Einführung in das Thema, die vor allem wegen der Breite der angesprochenen Aspekte zu empfehlen ist. Das Buch kann Adoptionsinteressierte in ihrem Entscheidungsprozess ganz sicher weiter bringen, indem es vieles vorstellbar macht und damit Ängste abbauen hilft. Letztlich formulieren die Autoren auch einen Zugang zum Thema Adoption, der Mut macht, wenn sie Louis Stevenson zitieren: "Life is not a matter of holding good cards, but of playing a poor hand well."

Jutta Eigner

Veröffentlichungsdatum: 07.10.2005