Noah. Mein Cousin aus dem Flugzeug

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"Noah. Mein Cousin aus dem Flugzeug",
geschrieben von Claudia Ertl, illustriert von Margit Wittner,
ist ein Buch für Kinder als Gesprächsgrundlage zum Thema Adoption aus dem Ausland.

 

Claudia Ertl, Absolventin der Studien Publizistik und Kommunikationswissenschaften schreibt vorrangig Geschichten für Kinder zur kindgerechten Problem- und Angstbewältigung.

Kinder wünschen sich eine harmonische Familie und Eltern wünschen ihren Kindern einen optimalen Start ins Leben. Leider ist das nicht immer möglich, aber manche Kinder bekommen eine zweite Chance in einer Adoptivfamilie.
Jedoch gerade bei Auslandsadoptionen ist ein Kind oft mehrfach entwurzelt, es verliert seine Herkunftsfamilie, sein Herkunftsland, sowie sein kulturelles Umfeld. Gerade deshalb ist es notwendig sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, denn nur eine positive Bewältigung gibt den Weg frei zur Entwicklung einer gesunden, ausgeglichenen Persönlichkeit.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Gespräch zu suchen. Fotos und ein Tagebuch leisten wertvolle Hilfe für eine Aufarbeitung der Geschichte, die ja oftmals mit großen Emotionen verbunden und aufgrund von Unsicherheit auf beiden Seiten nicht immer leicht ist.
Ein Buch, wie dieses kann in kindgerechter Sprache und Bildern ein Ansatzpunkt für ein weiterführendes Gespräch sein. Es ist jedoch nur eine Starthilfe, um die Reise in die Vergangenheit zu beginnen. Es geht hier um die Zeit der Ankunft in der neuen Familie.

Zur Geschichte:
Katrin, ein aufgewecktes Kindergartenkind lebt gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder Felix und ihren Eltern in Wien.
Die Montage verbringt sie immer mit ihrer Oma. Eines Tages kommt sie ganz entsetzt nach Hause, weil sie glaubt, ihre Oma hätte sie angelogen. Die Oma erzählte ihrer Enkelin, ihre Tante Inge bekommt ein Kind und holt es mit dem Flugzeug ab. Das ist für Katrin völlig unverständlich, denn sie weiß schon, dass Babies im Bauch ihrer Mütter wachsen.
Mama erklärt ihrer Tochter die Situation. Natürlich seien sie und ihr Bruder im Bauch ihrer Mama gewachsen, doch bei Tante Inge ist das anders. In Tante Inges Bauch kann kein Baby wachsen, doch sie und Onkel Robert wünschen sich sehnlich ein Kind und darum haben sie beschlossen ein Kind zu adoptieren.

Katrin versteht nicht was adoptieren heißt. Mama erklärt es ihr: Adoption heißt, man nimmt ein Kind in seine Familie auf und kümmert sich wie um ein eigenes. Auch diese Kinder wachsen im Bauch ihrer Mütter, jedoch haben die manchmal keine Möglichkeit es aufzuziehen. Sie bringen ihr Kind in ein Krankenhaus oder Kinderheim und dort versucht man neue Eltern für dieses Kind zu finden.
Da es in Österreich aber mehr Eltern, als Kinder gibt, haben sich die beiden an eine Organisation gewandt, die für Kinder aus dem Ausland ein neues Zuhause suchen. Sie mussten viele Fragen beantworten.
Auch Oma ist schon sehr aufgeregt und freut sich auf einen neuen Enkel.
Das neue Kind heißt Noah und ist ein Bub aus Südafrika, ist 2 Jahre und 3 Monate alt und seit heute offiziell Tante Inges und Onkel Roberts Sohn. Katrin ist soeben Cousine geworden.
Katrin tut es leid, über ihre Oma geschimpft zu haben, wo diese doch Recht hatte.
Mama erklärt, dass Katrin deshalb noch nicht aufgeklärt wurde, weil Noah krank und die Adoption noch nicht gesichert war.

Vor 2 Stunden hat Tante Inge angerufen und mitgeteilt, dass alle in Ordnung ist und sie morgen zu dritt ankommen.
Am nächsten Morgen ist Katrin schon vor dem Frühstück fertig angezogen und will ihren neuen Cousin vom Flugzeug abholen. Mama muss Katrin enttäuschen, denn Tante Inge hatte gebeten, sie in den nächsten Tagen noch alleine zu lassen, da Noah erst Vertrauen zu seinen neuen Eltern fassen und sich an seine neue Umgebung gewöhnen müsse.
Jedoch mit Mamas Hilfe beschäftigt sich Katrin sehr intensiv mit dem Thema Südafrika. Da gibt es eine Menge spannender Informationen. Papa fährt mit ihr auch zum Flughafen, um sich die großen Flugzeuge anzusehen, mit denen man aus Südafrika nach Wien fliegt.
Einige Tage später kommt ein roter Briefumschlag mit einer Einladung zu Noahs Willkommensfest und einem Foto des kleinen Buben.

Katrin ist ganz erstaunt, dass er Tante Inge gar nicht ähnlich sieht. Ihre Eltern erklären Katrin, dass er seiner "Bauchmama" ähnlich sieht und in Südafrika die meisten Menschen eine dunkle Hautfarbe haben.
Endlich kann Katrin ihren Cousin sehen. Als Noah Felix und Katrin sieht, strahlt er sie an und beginnt sofort mit ihnen mit dem mitgebrachten Ball zu spielen. Tante Inge erzählt, wie viele neue Worte Noah schon gelernt hat.
Katrin will sich in Onkel Roberts Arbeitszimmer zurückziehen und bemerkt eine große Veränderung. Statt Onkel Roberts Computer stehen hier plötzlich Kindermöbel und Spielsachen, das Arbeitszimmer ist zum Kinderzimmer geworden.
Aus dem Wohnzimmer ertönt Kindermusik in einer Lautstärke, die sie von Tante Inge und Onkel Robert nicht gewöhnt ist. Es gibt Torte, Kakao und Kaffee und alle sind ausgelassen und fröhlich.
Noah wird sofort von allen ins Herz geschlossen und man ist sich einig: es ist schön, dass es Noah gibt.

Dieses Buch zeigt einen den Idealfall einer Ankommensgeschichte, ist aber ein guter Ansatz für ein Gespräch. Probleme und unvorhergesehene Situationen können sicher mit anderen Büchern angesprochen werden, bzw. wird es sicher weitere Bücher der Autorin geben.

Roswitha Küng-Freiberger

Autorin: Claudia Ertl 
Illustration: Margit Wittner
Vorwort: Sabine Skop
Hrsg. und Verlag: Claudia Ertl, Ratzenhofergasse 5, A-1210 Wien.
Ausgabe 2006
ISBN: 978-3-200-00805-2