Bettina Domweber-Ederer: MIYUKI und die zwei Monde

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Dort, wo man Unbeschwertheit fühlt, inmitten von Gräsern und einer Landschaft, die im satten Grün der Natur nur so leuchtet, im Tief des Himmels, indem wir zu versinken glauben, der sich bis zur Endlosigkeit schier zu erstrecken versucht, erwecken so wunderbar leichte Gefühle in mir einen Reiz.

Den Reiz der Reinheit, der Heimat und der Geduld, welches die Tugend des Daseins darzustellen sich als Aufgabe macht  und eben diese Geduld für die Menschheit mich umfängt und beflügelt.

Mit unsagbarer Dankbarkeit erlebe ich dies um mich herum in mir.

Und genau an diesem Punkt angelangt beginnt die Geschichte einer Familie, die mit Liebe für ein Kind solche Gefühle immer und immer wieder verspürten und nicht losließen….

... niemals  abließen vom Glauben daran!

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Wie sehr man doch von der Liebe gefangen genommen wird, wenn sie uns begegnet.

Wie stark wir von diesem Wunder, dass weder Ärzte noch Physiker uns wirklich erklären können, umgeben sind.

Lieber Leser, kannst du mir sagen was  Liebe ist?

Nicht sichtbar und doch da, schlängelt sie sich ungefragt in unser Herz, das oft nur darauf wartet, eingenommen zu werden…

Und plötzlich siehst du ein kleines Menschlein vor dir, welches dich anblickt, ein winziges vollkommenes Geschöpf, das aus Gottes Hand in vollster Hingabe dich in deiner Seele berührt.

Dann lieber Freund ist es tiefste und reinste Liebe.

Was müssen doch Menschen ertragen in dieser Welt?

Vom innersten Wunsch verfolgt, für ein eigenes Kind zu sorgen, es großzuziehen, in Obhut ihm Schutz und ein zu Hause gewähren zu wollen.

Und wenn die Natur verneint, sich vor deiner Menschlichkeit  tief verbeugt und dennoch  sich nicht umzukehren vermag, weil der Fluss des Lebens auch nur fließt, man unter Tränen immer wieder versinkt, wird uns Menschen so klar, dass wir – obwohl wir medizinisch so großartig, doch nur winzig in der Macht gegen das Schicksal sind.

Doch das Leben wiegt uns auch in Behagen, in vollster Gegenwärtigkeit wir uns dann entscheiden und das Ziel vor uns sehen.

Das Ziel des neuen Lebens in Gemeinsamkeit eines  kleinen Mitmenschen, das für uns Erfüllung bedeutet.

Selbst wenn wir es nicht in uns wachsen spüren und es nicht gebären, selbst wenn die Bindung erst in Reifung mit uns treten muss.

Ist dies nicht nur ehrlich menschlich?

Und so kommen Menschen, um uns zu prüfen, in völliger Fremdheit.

Wissen wollend, was wir an materiellen Besitztümern zusammengehäuft, unseren Stellenwert in der Gesellschaft ergründend uns durchleuchten, bis ins Tief unseres Seins…, kommen in unser Heim und wollen mit vermeintlichem Wissen über uns Entscheidungen treffen.

Und wie scheint Liebe in ihrer Wertigkeit zu sein?

Durch Resolutheit beginnen Tore sich zu öffnen und plötzlich ist es kaum begreifbar, dass wir ein Bild eines hübschen kleinen Mädchens in unseren Händen halten, deren Schicksal sich nun mit dem unseren vereinen soll.

Ist es nun das Versprechen von heute, dass dich morgen zu uns bringt, kleine Miyuki? In unserer verzweifelten Hoffnung bist du der Träger unseres Seelenheils.

Wir erretten einander…du uns und wir dich.

In weiter Entfernung liegt dein Land.

Unsagbare Würde spiegelt sich in unserem Geiste in dem Augenblick, als wir es betreten, weil es deine Heimat ist.

Trotz gewaltiger körperlicher Erschöpfung legen wir uns nicht hin, lassen unsere Leiber nicht ruhen, weil wir dich suchen -  dich unser Kind, fast taumelnd in Gedanken versunken, die Sonne …   grell und heiß, an der Grenze des Erträglichen…

Wir treten ein in deine Welt, in das Haus, worin deine starke Seele festhält am Leben, das dich will.

Das Waisenhaus, umringt von Stacheldraht… unser Atem stockt...ein Haus der Güte, der Liebe…?

Unsere Augen werden betäubt von kleinen heranwachsenden Wesen, die sich an uns klammern und darum ringen, uns gehören zu wollen.

Als unsere Kinder…

Menschheit, was krümmst und beugst du diese Geschöpfe, die verirrt hinter die Gitter der Bedeutungslosigkeit müssen?

Haben sich alle abgewandt und lassen sie an den Ketten des Wahnsinns zurück?

Oh Mensch, wie erfährst du Heilung, wenn du nicht auf die Kleinen und Schwachen  blickst, die blinde Suche nach schlichter Liebe begehen?

Nackt und erniedrigt schließen sie in den Nächten ihre Augen auf Lattenroste, ohne Decken…, schmutzig vom Staub des Tages, der an ihren ausgemergelten Körpern klebt.

Nur an Tagen der Hoffnung, wenn Liebende reinen Herzens kommen, um einem  Kind Glück zu schenken, wird deren Äußeres gereinigt und können sich dann mit wohliger Kleidung bedecken.

Im Unglück ihres Schicksals, das als besiegelt scheint und dennoch hinnehmend, werden sie nach weniger Zeit auf die Straße geschickt, wo ihre Körper ausgebeutet werden oder sie im Kampf für das Leben das ihrige verlieren.

Die Grausamkeit hinterlässt in uns Spuren…oder schlechtes Gewissen?

Was ist mit unserer Liebe?  Warum kann sie nicht für alle reichen?

Erzittert und erstarrt in tiefste Trauer gesunken, weinen wir innerlich um sie.

Doch kleine Miyuki, bist du inmitten dieser, vom Unglück geschüttelten Seelen?

Wir suchen dich und haben dich zwischen anderen, im Inneren des Gemäuers, endlich gefunden.

Du bist so zart und klein…du, unser Kind…

50 Tage hast du bereits erlebt als du auf der, von dunklem Staub erfüllten Straße, aufgelesen wurdest. Mit einem Zettel auf deinem Bauch und der Handschrift deiner leiblichen Mutter, die deinen Namen und den Tag deiner Geburt darauf festhielt.

Welche Qualen musste sie vielleicht erleben, welche Traurigkeit erfahren,  das Beste für dich wollend, um dich zurücklassend in die Realität der Hoffnungslosigkeit übergeben zu müssen, der sie selbst auch ausgeliefert ist… Tag um Tag?

In einem, aus Weiden geflochtenen Körbchen nahe eines Fensters,  liegst du. Die Sonne fällt durch den Spalt der Türe auf deine wunderschöne reine Haut, die in goldenem Licht erscheint.

Du erblickst deinen Vater, betrachtend mit seinen Augen und zaghaft fühlend mit seinen zärtlichen Händen, welche die ersten Bande mit dir knüpfen.

Die noch schier verborgene Liebe zwischen Eltern und ihrem Kind ist kaum beschreibbar. Rundherum alles beinah vergessend erkennt man sie als Ganzes. Etwas, dass keiner Worte bedarf, sondern nur gefühltes, berauschendes Glück bedeutet!

Liebe ist die Quelle, an der man wahrnimmt, dass sie einfach ist und sie gewollt unbedacht, gewähren lässt.

So beginnt etwas Einzigartiges in diesem Moment, das niemals in Vergessenheit gerät.

Ja kleine Miyuki, das war wohl die Stunde deiner zweiten Geburt.

Doch bebt dein kleiner Körper noch tagelang vom Entzug der Drogen in den Fläschchen der Vergangenheit. Kannst du aus der Stille denn keine Kraft schöpfen, auf dem Weg in den greifbaren Frieden?

…so große Angst vor der Fremde...

Was hast du nur erleben müssen?

Doch  sind wir immer an deiner Seite, weichen nie, weil du wie Morgentau auf den sattgrünen Blättern glitzerst, in Gewahr unserer schützenden Hände, nicht zu fallen.

Als sich nach vielen Monaten Worte in deinem Munde zu Sätzen formen, erzählst du manchmal von zwei Monden… eine Phantasie, die dich begleitet?

Doch erfuhren wir bald…

…in den Pfützen des Monsunregens spiegelte sich immer wieder ein heller runder Schein, genährt durch das Licht des Mondes vom Nachthimmel, die du damals in der Zeit, als du in der Ferne lebtest, vom Fenster aus beobachten konntest.

Sie waren die Beschützer deiner unbeugsamen Seele, die es noch heute für dich sind…

 

 

Bettina Domweber-Ederer, geb.28.01.1980 in Bad Radkersburg, verheiratet, 3 Kinder, seit 2006 wohnhaft in Hatzendorf/Feldbach

"Seit Beginn der Schulzeit ist das Schreiben meine große Leidenschaft, die es immer wieder schafft, mich auf positive Weise herauszufordern."