9. Zurück in Österreich

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Für alle Behördenwege sind die Geburtsurkunde des Kindes aus dessen Herkunftsstaat sowie der Adoptionsbescheid in deutscher Sprache beziehungsweise beeideter Übersetzung erforderlich.

 

Sollte eine Übersetzung nicht schon im Herkunftsland des Kindes erfolgt sein, müssen Sie diese nun von einem gerichtlich beeideten Übersetzer erstellen lassen. Polizeiliche Meldung: Der erste Behördenweg ist die Meldung des Kindes, die auch für alle weiteren Schritte unbedingt erforderlich ist. Da die bisherige Adresse Ihres Kindes im Ausland am Meldezettel angeführt werden muss, gehen Sie sicher, diese bei der Anmeldung auch griffbereit zu haben.

  • Meldung bei der Krankenkassa des Elternteils, der weiterhin erwerbstätig bleibt, um den anderen Elternteil und das Kind mitversichern zu lassen, bis das Kinderbetreuungsgeld einlangt (andernfalls gibt es keinen Versicherungsschutz).
  • Meldung bei der Krankenkasse der Elternteils, der zu Hause beim Kind bleibt: Antrag auf Kinderbetreuungsgeld (falls das Kind in eine Altersgruppe fällt, für die Sie Anspruch auf Kindergeld haben)
  • Finanzamt: Beantragung der Familienbeihilfe.
    Die Familienbeihilfe wird Ihnen wahrscheinlich nur befristet gewährt, da das Kind in den nächsten Monaten die Staatsbürgerschaft wechseln und sich seine Daten daher grundlegend verändern werden.
  • Fremdenpolizei: Beantragung von NAG Karte und Aufenthaltstitel
  • Vorlegen des Aufenthaltstitels bei Krankenkasse und Finanzamt (dann startet das Kinderbetreuungsgeld).
  • Antrag auf österreichische Staatsbürgerschaft

Sollte für Ihr Kind lediglich eine Vormundschaft bestehen (zum Beispiel bei aus Indien stammenden Kindern), muss zuvor beim zuständigen Bezirksgericht eine Adoption beantragt werden.

Eine Namensänderung des Kindes ist erst nach der Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft möglich.

Antrag auf eigenen Reisepaß nach der Verleihung der Staatsbürgerschaft

Antrag auf Ausstellung einer österreichischen Geburtsturkunde beim zuständigen Standesamt.

Für Kinder, die in ihrem Herkunftsland nach dortigem Recht adoptiert wurden, ist eine zusätzliche Adoption nach österreichischem Recht oder ein spezielles Anerkennungsverfahren in Österreich nicht vorgesehen. Stattdessen hat jede einzelne Behörde "die Wirksamkeit der Adoption selbständig als Vorfrage zu beurteilen" (LGZ Wien, 25.09.1986, 47 R 613/86). Da Internationale Adoptionen nach wie vor eher selten sind, verlangen Behörden immer wieder nach einer Anerkennung durch ein österreichisches Gericht. Teilen Sie diesen Behörden mit, dass ein derartiges Anerkennungsverfahren im Moment in Österreich nicht vorgesehen ist.

Gesundheit - Wahl der Arztes

Nach Ankunft in Österreich sollten Sie Ihr Kind beim Kinderarzt zu einer ausführlichen Erstuntersuchung anmelden. Informieren Sie sich bei anderen Adoptiveltern über Ärzte, die eventuell Erfahrung mit Kindern ethnischer Minderheiten haben. Oft sind diese vertrauter im Umgang mit Krankheiten, die in unseren Breiten unüblich sind (Krätze, Tuberkulose, Vitamin D Mangel und andere). Speziell bei Hautkrankheiten hat es sich bewährt, Ärzte aufzusuchen, die nicht nur mit europäischer Haut vertraut sind. Vieles (Rötungen, Infekte, Kinderkrankheiten) sieht bei afrikanischen und asiatischen Kindern anders aus.

Des weiteren gibt es Hinweise darauf, dass sich die Wirkung mancher Medikamente je nach Ethnie verändern kann  –  Erfahrung auf dem Gebiet kann also wichtig werden. Im Zweifelsfall lohnt es sich, mehrere Meinungen einzuholen.

Erstuntersuchung - Mutter-Kind-Paß

Vielleicht hat ein Arzt Ihres Vertrauens Sie bereits bei der Beurteilung der medizinischen Informationen aus dem Kindervorschlag beraten. In jedem Fall sollten Sie ihn nun mit allen verfügbaren medizinischen Informationen über Ihr Kind vertraut machen. Anhand dieser Informationen wird der Untersuchungsumfang festgelegt. Auch der Impfstatus wird erhoben und angepaßt. Einige Untersuchungen, die im Rahmen einer Erstuntersuchung bei international Adoptierten üblich sind: Hepatitis B und C, HIV, Tuberkulose, Syphilis, Blut- und Harnuntersuchung, Seh- und Hörtest.

Beim ersten Besuch beim Kinderarzt wird Ihnen auch ein Mutter-Kind Paß ausgestellt, den Sie als Nachweis für den Bezug der Familienbeihilfe benötigen.

Entwicklungsverzögerungen

Oft stellt sich bei den Erstuntersuchungen heraus, dass international adoptierte Kinder in ihrer Entwicklung leicht verzögert sind: sie sind zu klein, zu dünn oder haben altersgemäße Entwicklungsschritte noch nicht erreicht. Internationale Adoptivkinder passen oft aus mehreren Gründen nicht in europäische Normen. Einerseits gibt es ethnische Unterschiede (vielleicht ist es Ihnen möglich, Wachstumskurven aus dem Herkunftsland Ihres Kindes mit österreichischen Wachstumskurven zu vergleichen). Aber auch die pränatale Entwicklung, mangelnde Hygiene und unzureichende Ernährung werden deutlich. Entwicklungsverzögerungen in Größe und Gewicht können oft innerhalb der ersten Monate aufgeholt werden. Wie auch bei leiblichen Kindern empfiehlt es sich, Geduld zu haben, Ruhe zu bewahren und den Kindern Zeit zu geben.

Post Placements

Die meisten Länder erwarten - entsprechend dem Sozialbericht vor der Adoption - auch danach in regelmäßigen Abständen Informationen und Fotos, die das Wohlergehen des Kindes sicherstellen und dessen Eingliederung und Entwicklung dokumentieren sollen. Diese Berichte werden "Post Placement Reports" (PPR) genannt. Sie können selbst, mit Unterstützung der Vermittlungsstelle oder durch das Jugendamt erstellt und in das Herkunftsland des Kindes übermittelt werden. Die Bedingungen dafür sind je nach Herkunftsland unterschiedlich geregelt.