7. Verfahren im Herkunftsland

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Nach der Annahme des Kindervorschlages kann nun im Herkunftsland das eigentliche Adoptionsverfahren beginnen, das in der Regel von Gericht durchgeführt wird.

 

Rechtliche Verfahrensschritte:

Wie der Adoptions- oder Vormundschaftsprozess im jeweiligen Herkunftsland abläuft, hängt von der dortigen Gesetzgebung ab.

Generell erwarten die Gerichte zur positiven Abwicklung des Verfahrens unter anderem:

  • einen Nachweis der Identität des Kindes
  • seines Status als Waisenkind beziehungsweise als zur Adoption (ins Ausland) vermittelbares Kind, zum Beispiel durch Einverständniserklärung der leiblichen Mutter/beider Elternteile oder durch ein diese ersetzendes Gerichtsurteil
  • eine nachgewiesene Eignung der Adoptiveltern sowie eine Adoptionsbewilligung vom Heimatstaat der Eltern

Die Dauer des Verfahrens kann sehr stark variieren. Unter anderem kann sie durch fehlende Dokumente, formale Fehler bei den eingereichten Dokumenten, angeordnete Befragungen von betroffenen Personen (die nicht immer auffindbar sein müssen), noch einzuholende Gutachten oder Gerichtsferien beeinflusst werden.

Je nach Herkunftsstaat kann es außerdem notwendig sein, dass die Adoptiveltern bei einer oder mehreren Gerichtsverhandlungen im Herkunftsstaat anwesend sind oder dass sie sich dort von einer bevollmächigten Person vertreten lassen. Einige Staaten sehen zusätzlich eine verpflichtende Phase des Zusammenlebens vor, ehe die Adoption abgeschlossen werden kann. In dieser Zeit, die die neue Familie zumeist im Herkunftsland verbringt (und die je nach Herkunftsstaat zwischen 10 Tagen und 6 Monaten dauern kann), wird beobachtet, ob sich ein Eltern-Kind-Verhältnis entwickelt und die Adoption im Sinne aller Beteiligter abgeschlossen werden soll. Auch in dieser Phase ist es für Adoptivwerber noch möglich, von der Adoption zurück zu treten.

In anderen Staaten reisen die Adoptiveltern nur zur Abholung ihres Kindes an und verbringen ein paar Tage im Herkunftsland.

Einige außergerichtliche Wege sind vor der Rückkehr nach Österreich noch zu erledigen:

  • in vielen Staaten muss ein neue Geburtsurkunde für das Kind ausgestellt werden, auf der die Adoptiveltern nun als Eltern angeführt werden
  • Geburtsurkunde und Adoptionsdokumente müssen übersetzt, beglaubigt und überbeglaubigt werden (sodass sie von österreichischen Behörden anerkannt werden)
  • ein Reisepass für das Kind muss ausgestellt werden (das Kind ist nach der Adoption nach wie vor Staatsbürger/in seines/ihres Herkunftslandes)
  • ein Visum für die Einreise des Kindes nach Österreich ist zu besorgen

Für die Adoptiveltern fallen vor der Abreise einige organisatorische Erledigungen an:

für das Gerichtsverfahren und den Einreiseprozess eventuell noch notwendige Papiere vorbereiten

  • Flüge buchen (auch für das Kind)
  • Dienstgeber verständigen / Vertretung organisieren
  • Spätestens jetzt für Kinderutensilien sorgen:
  • Bettchen, Autositz, Kinderwagen, Kleidung (Temperaturdifferenz beachten) und ein Wickelzubehör sind die Dinge, die zu allererst gebraucht werden. Kinderzimmer, Mobiliar und Spielzeug können besorgt werden, eilen aber nicht. Erfahrene Eltern fragen, Checklisten sind hilfreich!
  • Knowhow in Kinder- oder Babypflege auffrischen
  • Falls längere Wartezeiten anfallen: Haushalt kindersicher machen und auf das neue Familienmitglied einstellen.

Mentale Vorbereitung: Je nach Länge der Wartezeit können Sie sich mental mehr oder weniger intensiv auf das Kind vorbereiten.

Folgende Themen bieten sich an:

  • Vielleicht wollen Sie sich gut auf ein Leben mit Kind vorbereiten? (Familien mit Kindern in einer ähnlichen Altersgruppe treffen; dort Handgriffe übernehmen...)
  • Vielleicht ist Ihr Kind bereits in einem Alter, wo Sie sich über Schule oder Kindergarten Gedanken machen sollten?
  • Vielleicht wollen Sie überlegen, wie Sie sich und Ihr Kind in der ersten oft nicht ganz einfachen Zeit unterstützen könnten? Was können Sie beitragen, um einen Bindungsaufbau zu fördern?
  • Vielleicht wollen Sie sich vorbereitend mit Herkunftsland, Kultur und Sprache Ihres Kindes auseinander setzen? Besonders, wenn Sie ein älteres Kind adoptieren, sind Grundkenntnisse seiner bisherigen Umgangssprache hilfreich.
  • Vielleicht wollen Sie vorweg schon das Land bereisen?
  • Vielleicht empfinden Sie es als hilfreich, Bekanntschaften zu Gleichgesinnten zu schließen.
  • Wenn die leiblichen Eltern Ihres Kindes bekannt sind, können Sie sich auch mit dem Gedanken auseinander setzen, diese vor Ort zu treffen. In manchen Staaten ist ein solches Treffen vorgesehen oder zumindest möglich. Auch wenn diese Möglichkeit den meisten Adoptiv- und leiblichen Elternteilen Mut abverlangt, kann eine solche Begegnung für die Zukunft des Kindes von besonderer Bedeutung sein.
  • Vielleicht wollen Sie noch mal „ungestört“ zu zweit sein und Aktivitäten unternehmen, die mit Kind nicht mehr einfach zu realisieren sind?