6. Kindervorschlag

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Der Moment des Kindervorschlages beendet eine oft zermürbende Wartezeit und lässt eine neue Phase auf dem Adoptionsweg beginnen.

 

Der Kindervorschlag in der Regel durch die zuständige Landesregierung überbracht. Üblicherweise setzt sich der Kindervorschlag aus mehreren Dokumenten zusammen:

  • Wichtigste Daten des Kindes: Name, Alter, Geschlecht, Aufenthaltsort
  • Medizinische Angaben: allgemeiner Gesundheitszustand des Kindes, Laborwerte (HIV, Hepatitis...), Impfstatus, Entwicklungsstand, bisherige Krankheiten soweit verfügbar. Manchmal gibt es die Möglichkeit, den zuständigen Kinderarzt zu sprechen.
  • ein oder mehrere Fotos, in Ausnahmefällen auch ein Video
  • Angaben zur Geschichte des Kindes und den leiblichen Eltern soweit verfügbar

Sich entscheiden

Nun geht es darum, auf der Basis dieser manchmal spärlichen und manchmal überbordenden Dokumente (von etwa 5 bis etwa 80 Seiten) eine Entscheidung zu treffen, die das eigene Leben von Grund auf verändern wird. Ist das Kind soweit gesund, altersgemäß entwickelt und hat keine allzu schwierige Biografie,  werden Kindervorschläge in der Regel sofort angenommen. Ist das nicht der Fall, geht es darum, eventuell mit Unterstützung von Experten abzuwägen, ob die Bedürfnisse von Kind und Adoptiveltern in Einklang zu bringen sind. Zu diesem Zeitpunkt besteht die Notwendigkeit, einen Kindervorschlag auch (schweren Herzens) abzulehnen, wenn sich Adoptivwerber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in der Lage sehen, Eltern für das vorgeschlagene Kind zu werden. Auch wenn die Wartezeit bisher lange und zermürbend war, verdienen alle wartenden Kinder eine Familie, die sich ihnen voll und ganz widmen kann. Wichtig ist es in jedem Fall, die erhaltenen Informationen genau zu überprüfen und mögliche Bedenken mit dem Partner und gegebenenfalls mit Experten in aller Ruhe zu diskutieren.

Medizinische Fragen

Bei Unklarheiten medizinischer Natur, sollten nach Möglichkeit Ärzte zu Rate gezogen werden, die die medizinische Tradition des Herkunftslandes zu kennen. Hier hat es sich bewährt, über die Community Kontakte zu Spezialisten zu erheben.

Zumindest genauso hilfreich ist es, mit erfahrenen Adoptiveltern zu sprechen, deren Kind aus demselben Land kommt und vielleicht sogar aus demselben Waisenhaus stammt, in dem das Ihnen vorgeschlagene Kind jetzt lebt. Hier können Sie eine Vorstellung davon gewinnen, welche Lebensumstände Ihr Kind bisher geprägt haben, wie das Kind sich in Österreich eingelebt hat und welche Herausforderungen die erste gemeinsame Zeit mit sich gebracht hat. In all diesen Punkten steht Adoptivwerbern, die mit einer Vermittlungsstelle adoptieren, diese beratend zur Seite.

Annahme des Kindervorschlags

Der Kindervorschlag wird oft im persönlichen Gespräch, manchmal auch telefonisch angenommen und mit einem Schreiben bestätigt. Manche Herkunftsländer sehen vor der Annahme ein Treffen von Eltern und Kind zwingend vor. In anderen Staaten besteht die Möglichkeit, aber nicht die Pflicht, das Kind zu besuchen. Wieder eine andere Variante ist, dass der Kindervorschlag persönlich im Herkunftsland erfolgt und die Adoptivwerber dafür anreisen, nachdem sie vom Herkunftsland geprüft und anerkannt worden sind.

Sobald Sie sich für ein Kind entschieden haben, wird es Ihnen so ergehen wie den meisten zukünftigen Eltern: das Kind gehört nun emotional zu Ihnen, und die Zeit, die der rechtliche Adoptionsprozess beansprucht, dauert viel zu lange. Tatsächlich schwankt diese Zeitspanne je nach Herkunftsstaat zwischen 3 Wochen und 1,5 Jahren. Analog zu einer Schwangerschaft besteht jedoch zu diesem Zeitpunkt noch keine völlige Sicherheit, dass das Adoptionsverfahren ohne Komplikationen abläuft. Manche Eltern wollen das Kind daher erst voll ins Herz schließen, wenn auch der rechtliche Adoptionsprozess erfolgreich bewältigt ist.