2. Eignung zur Adoption

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Wenn Sie sich für eine Adoption interessieren, führt Sie der erste Weg zur Kinder- und Jugendhilfe. Diese Behörde überprüft, ob Ihre Familie grundsätzlich für die Aufnahme eines Adoptivkindes geeignet ist.

 

Üblicherweise erfolgt dies in mehreren Schritten: Es gibt ein Erstgespräch bei der Behörde, wo grundsätzliche Dinge thematisiert werden. Dann folgen mehrere Gespräche mit der oder den zuständigen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, darunter auch Hausbesuche. Zusätzlich sind ein ärztliches Attest (das belegt, dass Sie auch gesundheitlich zur Aufnahme eines Adoptivkindes geeignet sind), ein Auszug aus dem Strafregister und in manchen Bundesländern ein psychologisches Gutachten beizustellen. Außerdem ist es notwendig, einen verpflichtenden Vorbereitungskurs zu besuchen.

 

Folgende Voraussetzungen finden unter anderem  Beachtung:

  • Mindestalter: 25 Jahre (seit der Neuerung im Familienrecht, in Kraft ab 1.2.2013). Der Altersunterschied orientiert sich an dem natürlichen familiären Rahmen: zwischen Adoptivkind und Adoptiveltern sollte er mindestens 16 (seit der Neuerung im Familienrecht, in Kraft ab 1.2.2013) und maximal 45 Jahre betragen.
  • geeignete Wohnverhältnisse
  • ausreichende finanzielle Mittel
  • Eignung aus medizinischer Sicht
  • Eignung aus psychologischer Sicht
  • Lebenserfahrung, Lebenszufriedenheit
  • Auseinandersetzung und Bewältigung ungewollter Kinderlosigkeit, Fehlgeburten oder den Tod eines Kindes
  • Umgang mit Herausforderungen und Krisen im eigenen Leben und in der Partnerschaft
  • Wenn es schon leibliche Kinder in der Familie gibt: gelungene Erziehung und Umgang mit den leiblichen Kindern; Ansichten der leiblichen Kinder zu den Adoptionsplänen; Belastung der Eltern durch die bereits in der Familie lebenden Kinder. Das Adoptivkind sollte außerdem als jüngstes Kind in die Familie kommen, damit es die Möglichkeit bekommt, eventuelle Rückstände in Ruhe nachzuholen.
  • Erziehungsfähigkeit: entwicklungsbedingte Bedürfnisse wahrnehmen können; in Konfliktsituationen gewaltfrei handeln; Stärken fördern, flexibel sein
  • intaktes soziales Umfeld
  • Möglichkeiten zur Entlastung
  • Auseinandersetzung mit der Herkunft des Kindes: Bereitschaft, sich mit der persönlichen Geschichte des Kindes und dessen Kulturkreis intensiv zu befassen
  • Kooperationsbereitschaft mit Behörden, Schulen, Umfeld…

 

Ausschließungsgründe sind beispielsweise:

 

  • ansteckende oder schwere körperliche Erkrankung sowie Suchterkrankungen
  • schwere chronische körperliche Erkrankung, psychische Erkrankungen, geistige Behinderung
  • Vorstrafen (je nach Relevanz des Deliktes für ein gelingendes Familienleben)
  • deutliche Mängel in der Betreuung eigener Kinder oder im Umgang mit Kindern
  • Sonstiges: Sektenzugehörigkeit, soziale Integrationshindernisse, gefährliche Haustiere, Paare kurz vor/nach Scheidung, kurz nach Verlust eines Kindes..

Die Mehrheit der Adoptivwerber wird grundsätzlich als geeignet befunden. Sobald das geschehen ist, ist es auch möglich, sich im Ausland für die Adoption eines Kindes zu bewerben.

 

Zu beachten ist, dass die zuständigen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter im Zuge der Eignungsüberprüfung einen Bericht über Sie erstellen. Dieser Bericht (auch „Sozialbericht“ oder „Home Study“ genannt) muss fast immer auch an die Adoptionsbehörden im Ausland übermittelt werden. Er beschreibt die Familie und die wichtigsten Punkte, die im Zuge des Eignungsverfahrens besprochen wurden (beispielsweise Biografie der Adoptivwerbenden; berufliche Situation; Partnerschaft; Religionszugehörigkeit; Gesundheitszustand…). So können sich die Behörden im Ausland ein Bild über Sie machen. Im Fall einer Inlandsadoption muss der Bericht nicht allzu ausführlich sein, denn die Adoptivwerbenden sind der vermittelnden Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung persönlich bekannt. Im Fall einer internationalen Adoption ist ein umfangreicher Bericht jedoch notwendig, damit die zuständigen Behörden im Herkunftsland sich ein klares Bild von der Familie machen können. Es ist daher sinnvoll, Ihre Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen schon im Vorfeld zu ersuchen, den Bericht nach den Vorgaben des Landes zu schreiben, aus dem Sie adoptieren wollen.