1. Adoption - was erwartet uns?

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Vielen Adoptionen geht ein familiärer Leidensweg voran. Dieser wird oft von der unerfüllten Hoffnung auf ein Kind, einer Reihe damit verbundener Anstrengungen, kritischen Momenten in der Paarbeziehung und einer Besinnung auf die eigene Lebensplanung geprägt.

 

In manchen Fällen wird dann eine Adoption ins Auge gefasst, um den eigenen Kinderwunsch zu erfüllen. Wer sich jedoch nicht intensiv mit dieser Form der Familiengründung identifizieren kann, wird schnell von dem komplexen Verfahren abgeschreckt werden, das auf internationale Adoptivwerber zukommt.

 

Der Adoptionsweg wird nicht selten als eine eher belastende Zeit erlebt. Denn für lange Zeit bleibt unklar, ob die Aufnahme eines Adoptivkindes tatsächlich gelingen wird. Hinzu kommt, dass Adoptivwerber anders als leibliche Eltern auf ihre Eignung überprüft werden. Adoptiveltern bezeichnen sich daher oft selbst als die „am besten vorbereiteten“ Eltern. Das hat seinen Grund.

 

Der erste Teil des Adoptionsprozesses ist nämlich die sogenannte „Eignungsfeststellung“. Hier müssen werdende Adoptiveltern der Kinder- und Jugendhilfe einen sehr privaten Einblick in ihr Leben gewähren. Die zuständigen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter haben die Aufgabe, herauszufinden, ob eine Familie für eine Adoption auch wirklich geeignet ist. Und so wird mit Adoptivwerbern über deren eigene Kindheit ebenso gesprochen, wie über ihr Familienbild, die Partnerschaft und den unerfüllten Kinderwunsch. Außerdem werden die eigenen Vorstellungen von Adoption im Unterschied zur leiblichen Elternschaft thematisiert. So soll ausgeschlossen werden, dass Adoptivwerber falsche Erwartungen in eine Adoption setzen oder die aktuelle Familiensituation einem Adoptivkind nicht gerecht werden kann. Denn Adoptivkinder haben keinen einfachen Start ins Leben gehabt. So sollen sie in Zukunft in einer möglichst stabilen Familie aufwachsen, die ihren (manchmal auch besonderen) Bedürfnissen gerecht werden kann und will.

Im Allgemeinen gehen die Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen in diesen Gesprächen sehr feinfühlig vor. Trotzdem fällt es Adoptivwerbern nicht immer leicht, sich bei so intimen Themen "beurteilen" zu lassen.

 

Erst nach Abschluss des Eignungsverfahrens in Österreich (das im Durchschnitt etwa ein Jahr dauert) ist es möglich, sich auch im Ausland für eine Adoption zu bewerben. Bei diesem Weg sind mehrere Behörden im In- und Ausland eingeschaltet. Das bedeutet, dass manches doppelt oder mehrfach ausgefüllt oder erzählt werden muss und es immer wieder Zeiten gibt, wo einfach nichts passiert. Viele Adoptivwerber fühlen sich streckenweise ohnmächtig und bevormundet. Zorn, Verzweiflung und Nervosität sind Gefühle, denen Adoptivwerber am Adoptionsweg ebenso begegnen können wie Vorfreude und bangem Warten. Wichtig ist es, die eingeschalteten Instanzen nicht als „Feinde“ oder „Kontrolleure“ zu betrachten, sondern das Wohl des Kindes im Auge zu behalten. Dazu gehört, dem vorgeschriebenen oftmals langatmigen Prozess zu folgen, auch wenn es manchmal schwer fällt. Werdende Adoptiveltern müssen nicht perfekt sein – aber auf jeden Fall geduldig!